KRITIK – THE STUFF (MEDIABOOK)

© Turbine Media
© Turbine Medien

Autor: Khalil Boeller

„Du bist, was du isst“ – ein Spruch, den man gerne mal in unserer heutigen Zeit immer öfter zu hören bekommt, passt so wunderbar auf das B-Filmchen „The Stuff – Ein tödlicher Leckerbissen“ von der Horrorikone Larry Cohen aus den 80ern, der Dank Turbine Medien jetzt in einem sehr schick anzusehenden Mediabook vorliegt.

Zum Inhalt: In einem Bergwerk wird eine weiße Substanz entdeckt, die aus dem Boden sickert und von der Konsistenz her an einen Brotaufstrich oder Eiscreme erinnert – und wohl auch verdammt gut zu schmecken scheint. Gut, man könnte sich drüber streiten, ob es jetzt so glaubwürdig ist, dass Mitarbeiter einer Raffinerie etwas so einfach in den Mund nehmen würden, was dort aus dem Boden blubbert, aber es gab ja schon sicher seltsameres. Innerhalb weniger Wochen wird das Zeug als „The Stuff“ vermarktet, wird ein großer Erfolg und findet so den Weg in diverse Kühlschränke – auch in den der Familie eines Jungen, der in einer schlaflosen Nacht entdeckt, dass das Zeug wohl ein sprichwörtliches Eigenleben führt, was ihm natürlich in der Familie niemand glauben möchte. Auch der Konkurrenz bereitet das Produkt sorgen, allerdings nicht aus altruistischen Gründen, sondern weil man bereits schwere Umsatzeinbrüche hinnehmen muss. So engagiert ein Konglomerat aus verschiedenen Süssigkeitenherstellern den Industriespion „Mo“ Rutherford, herrlich überzeichnet gespielt von Michael Moriarity, um hinter die Geheimformel hinter „The Stuff“ zu kommen, man will ja schließlich auch was vom Kuchen abhaben.

Schon bald merkt „Mo“, dass hinter dem Stoff wohl mehr zu stecken scheint, als es auf dem ersten Blick den Anschein hat – Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sind spurlos verschwunden, nachdem der Stoff von diesen zugelassen wurde, eine Stadt, in der das Produkt getestet wurde, ist inzwischen wie ausgestorben, bzw. sind die Anwohner alle in dieselbe Stadt umgezogen, in der angeblich der Stoff produziert wird & der wenigen Personen, die dort noch leben, agieren extrem feindselig auf nachfragen. Zudem scheinen die Leute regelrecht süchtig nach dem Produkt zu sein und sich von nichts anderem mehr zu ernähren…

Zusammen mit der Dame, die die Werbekampagne auf dem Gewissen hat, sowie dem Jungen vom Anfang, über den Mo aufgrund eines Zeitungsartikel stolpert, dieser hat in bester „RIOT!!!!“ Manier die Regale eines Supermarktes zertrümmert, versucht er, die Verbreitung zu stoppen, bevor es zu spät ist…

 

© Turbine Medien
© Turbine Medien

Wenn man sich es einfach machen will, könnte man sagen, dass Cohen verschiedene Filme zu einem, Achtung Wortspiel, wohlschmeckenden Brei vermischt hat – man nehme „The Blob“, dazu etwas „Body Snatchers“ und fertig ist „The Stuff“. Allerdings übersieht man dann, dass „The Stuff“ eine Satire auf eine Konsumgesellschaft ist, die von Werbung und Co. dominiert wird und in der Geschäftsleute wider besseren Wissens sprichwörtlich für den schnellen Dollar bereit sind, auch über Leichen zu gehen, sie müssen den Kram ja auch nicht essen, ne? Zwar wirken die Menschen, die den Stuff konsumieren, wie Personen aus der Werbung, alle sind glücklich und gut drauf, aber wehe, jemand stellt zuviele Fragen, oder noch schlimmer, sie essen das Zeug nicht regelmässig, dann erinnert das Verhalten sehr an Junkies hinterm Bahnhof.

Auch die zum Teil überzeichneten Figuren des Films, ob jetzt der Industriespion mit einem immer locker flockigen Spruch auf den Lippen, die Bilderbuchfamilie des kleinen Jungen oder der Anführer einer paramilitärischen Truppe, gespielt von Paul Sorvino, der am Schluss zusammen mit dem Industriespion regelrecht „aufräumt“ tun ihr übriges, dass man den Film eigentlich nicht so ernst nehmen sollte. Aber leider macht es Cohen dem Zuschauer nicht immer leicht, das auch zu erkennen, man wird das Gefühl nicht los, dass Cohen selbst nicht so ganz wusste, ob er jetzt einen ernsten Horrorfilm oder aber ein Groteske drehen wollte, weswegen ich es auch gut verstehen kann, wenn man den Film schnell in die unfreiwillige Trashecke steckt. Dazu kommen, auch für die damalige Zeit, sehr billig, aber dafür sehr plakativ wirkende Effekte, aufgerissene Münder, aus denen der Stoff fließt, platzende Köpfe, man merkt dem Film an den Stellen leider an, dass das Budget wohl nicht allzu gross war.

 

© Turbine Medien
© Turbine Medien

Dafür gibt es aber zum Teil sehr originelle Einfälle, ob jetzt mit dem „The Stuff“ gefüllten Kopfkissen, mit denen der Industriespion um die Ecke gebracht werden soll, oder die Werbeclips, in denen auch das eine oder andere bekannte Gesicht mitspielt. Und zudem atmet der Film an jeder Ecke ein 80er Feeling aus, Frisuren, Musik, Möbel, das passt alles sehr wunderbar. Mir hat der Film jedenfalls Spaß gemacht, auch wenn er an manchen Stellen dann doch die Luft verliert, speziell im letzten Drittel, und sicher ist es kein Streifen, der die Filmhistorie neu schreibt, aber gerade in geselliger Runde kann der Film als Partyfilm sicher gut funktionieren, Gorehounds werden sich eher gelangweilt abwenden.

Pluspunkte muss man Turbine für das Mediabook geben – der Film liegt sowohl als Blu-Ray wie auch als DVD vor, gerade auf der BD hat man sich grosse Mühe gegeben, aus dem alten Bild noch das Beste herauszuholen, der Ton liegt zwar nur in in Mono 2.0 vor, allerdings sehr gut abgemischt . Leider findet man weder auf der BD noch auf der DVD wirklich viele Extras, lediglich Trailer haben es auf die Scheiben geschafft. Ein Audiokommentar wäre wünschenswert gewesen, allerdings gibt es auch leider kein Material, auf das Turbine zurückgreifen hätte können, und finanziell hätte es sich wohl kaum gerechnet, für ein Mediabook mit einer Auflage von 2000 Stück extra Material zu produzieren. Dafür gefällt das Artwork des Mediabooks, sowie das Booklet – man erfährt ein wenig was über Larry Cohen, sowie über den Film an sich, Entstehungsgeschichte, Interpretation des Filmes, hier hat der Autor Tobias Hohmann eine wirklich sehr feine und lesenswerte Arbeit abgeliefert, ein ganz klares Daumen hoch.

Filmsammler werden sich jedenfalls sehr freuen, dass „The Stuff“ jetzt in einer wirklich sehr schönen sammelwürdigen Edition zu bekommen ist, auch wenn es gerne ein paar Extras mehr hätten sein dürfen. Dennoch Daumen hoch für Turbine Medien, dass sie sich eines sehr kleinen und eher unbekannten Filmes angenommen haben und diesen in so einer schönen Edition herausgebracht haben. Für Sammler ein klarer Kaufbefehl.

 

The Stuff - Bewertung

Seit dem 27. Januar 2017 als Mediabook inklusive DVD und Blu-Ray erhältlich!

Mediabook-Cover & Bilder © Turbine Medien.

 

1,184 total views, 1 views today