KRITIK – PRISONERS

© Universal Pictures Germany GmbH
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Autor: Florian Wurfbaum

Leider habe ich es nicht geschafft den Thriller im Kino zu sehen. Daher fieberte der Cineast in mir den Blu-Ray/DVD Start entgegen. Um es gleich vorweg zu nehmen, der düstere Ausflug in die menschlichen Abgründe hat meine immens hohen Erwartungen sogar noch überflügelt und ist somit in meine Top 3 des Jahres 2013 gelandet.

Zum Inhalt: In „Prisoners“ verschwinden während Thanksgiving die beiden Töchter der Familien Birch und Dover beim Spielen auf der Straße. Trotz unverzüglicher Polizeibenachrichtigung können Anna und Joy nicht ausfindig gemacht werden. Stattdessen wird sehr schnell der merkwürdige Nachbar Alex (Paul Dano), der mit seinem Wohnwagen zur Tatzeit vor dem Elternhaus geparkt hatte, als Verdächtiger festgenommen. Aus Mangel an Beweisen muss Detective Loki (Jake Gyllenhaal) den Mann mit dem IQ eines 10-Jährigen jedoch wieder auf freien Fuß setzen. Annas Vater (Hugh Jackman) ist jedoch fest von Alex Schuld überzeugt und beschließt darum, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen…

Der Drehbuchautor Aaron Guzikowski („Contraband“) liefert ein überaus packendes und wendungsreiches Script ab, das unter die Haut geht und erfolgreich genretypische Klischees umschifft. Des Weiteren wissen auch die glaubwürdigen Charaktere, die weit entfernt von den klassischen Stereotypen sind, zu überzeugen. Der Thriller hält sich nicht mit der typischen Schwarzweiß-Malerei auf, denn hier gibt es weder strahlende Helden noch abgrundtief böse Täter. Alle Charaktere sind auf ihre Art und Weise Gefangene („Prisoners“) ihrer Angst, Verzweiflung oder Wut.

 

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Der kanadische Regisseur Denis Villeneuve schafft es den Verfall der einzelnen Figuren durch das tragische Verschwinden ihrer Kinder hervorragend darzustellen. Die Motivationen der Charaktere bleiben zu jeder Zeit nachvollziehbar. Villeneuves ruhige Inszenierung erzeugt einen stetig straff steigenden Spannungsbogen, der mit zahlreichen Wendungen aufwartet. Dadurch wird der Zuschauer bis kurz vor Schluss über die Auflösung im Dunkeln gelassen. Zudem führt der Film den Betrachter, mit seinen verdrehten Beweisen und falsch gelegten Fährten, immer wieder an der Nase herum und offenbart eine nervenzerrende Spannung die das Publikum, trotz der stattlichen Laufzeit von 150 Minuten, bis zum Abspann gefangen nimmt.

Die Tristesse des ländlichen Georgia wird in blassen Grautönen bebildert und erzeugt mit seinen deprimierenden Kulissen und seiner dauerhaften tristen Regenstimmung eine äußerst beklemmende und stimmungsvolle Atmosphäre. Die in ihrer Düsternis an die Genrefilme der Marke „Insomnia“ oder „Mystic River“ erinnert. Auch die musikalische Untermalung von Jóhann Jóhannsson vermag zu gefallen und unterstützt mit seinen düsteren und minimalistischen Klängen nahezu perfekt die spannende Jagd nach den Tätern.

Die namhafte Besetzung ist hervorragend gewählt und überzeugt durch die Bank weg. Besonders hervorzustechen vermögen die beiden Hauptprotagonisten Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal, die wahre Glanzleistungen in ihren Rollen abliefern, was durchaus eine Oscarnominierung verdient gehabt hätte. Jake Gyllenhaal verleiht seiner Figur eine unglaubliche Tiefe und Ehrlichkeit und zeigt als erfolgsbesessener Detective seine vermutlich beste Karriere-Leistung. Hugh Jackman beeindruckt nicht minder als verzweifelter Familienvater, der aus Hilfslosigkeit selbst zu einem Täter wird. Daneben brillieren zudem Terrence Howard, Viola Davis, Maria Bello und vor allem Paul Dano als zurückgebliebener Alex in ihren Rollen.

 

Prisoners - Bewertung

Überall auf DVD, Blu-Ray und VOD erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © und Eigentum von Universal Pictures Germany GmbH / Tobis.

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