KRITIK – POINT BREAK

© Concorde Filmverleih
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Autor: Kevin Zindler

Zum Inhalt: Überall auf der Welt unternimmt eine Gruppe von Kriminellen ausgeklügelte Überfälle auf große Unternehmen, die die internationalen Finanzmärkte bedrohen und sogar als Terrorakte eingestuft werden. FBI-Agent Johnny Utah (Luke Bracey) ist durch die Waghalsigkeit und Dreistigkeit der Raubzüge davon überzeugt, dass ein Team von Extremsportlern hinter den Überfällen steckt. Johnnys Vorgesetzte sind zwar skeptisch, geben dem jungen Ermittler aber eine Chance und schleusen ihn Undercover in die Szene ein. Schon bald macht Utah die Bekanntschaft von Bodhi (Edgar Ramirez), Chowder (Tobias Santelmann) und Grommet (Matias Varela), in denen er die Übeltäter gefunden zu haben glaubt. Johnny freundet sich mit den Extremsportlern an, die ihn schließlich in ihr Geheimnis einweihen. Doch gerade der charismatische Strippenzieher Bodhi zieht Utah zusehends in seinen Bann und auch die schöne Samsara (Teresa Palmer) bringt seine Entschlusskraft ins Wanken. Bald ist sich Utah nicht mehr sicher, was richtig und was falsch ist.

Nicht nur die 80er Jahre haben für Fans des gesegneten Actionkinos filmische Perlen hervorgebracht, sondern auch die 90er Jahre. Ob nun THE ROCK, SPEED oder TERMINATOR 2 – die Studios lieferten auf Hochglanz polierte Filme, die Spaß machten und das Genre prägten. POINT BREAK ist einer dieser genialen Streifen, denen aber erst im Laufe der Jahre die verdiente Anerkennung zuteil wurde. Der Action-Thriller – meisterhaft inszeniert von Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow – strotzte nur so vor Adrenalin, bot fantastische Bilder und eine gute Story. Zudem schafften es die Macher, die Rollen der rivalisierenden Freunde/Feinde Utah (Keanu Reeves) und Bodhi (Patrick Swayze) perfekt zu besetzen.

 

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Weltweit spielte die rund 25 Millionen Dollar Produktion knapp 83 Millionen wieder ein und schrieb auch auf dem Heimkino-Markt gute Zahlen. Bis heute gehört GEFÄHRLICHE BRANDUNG – so der deutsche Titel – bei vielen Gerne-Fans zu jenen Streifen, die in keinem Regal fehlen dürfen. Die berühmte Szene, in der Utah in die Luft schießt und Bodhi davon kommen lässt, wurde gar in der britische Action-Komödie HOT FUZZ – ZWEI ABGEWICHSTE PROFIS persifliert. Die Grundidee (Infiltration eines Agenten oder Polizisten in einen bestehenden Kreis von befreundeten Gangstern, der sich dann im späteren Verlauf in einem Zwiespalt befindet und sich zwischen Job und Freundschaft entscheiden muss) wirkte sich zudem inspirierend auf andere Drehbuchautoren aus. Wer erinnert sich nicht an die Männerfreundschaft von Dominic Toretto und Brian O´Conner (THE FAST AND THE FURIOUS)?

Braucht das Ganze nun ein Remake? Wie bei 85 % aller Remakes wahrscheinlich nicht. Dennoch sollte das jeder für sich selbst entscheiden. Schließlich hat auch POINT BREAK die Chance verdient, vorab gesichtet zu werden, bevor man ihn womöglich unverdienterweise in der Luft zerreißt. Und selbst wenn es sich um ein unnötiges Remake handeln sollte, besteht die realistische Möglichkeit – bestenfalls durch innovative Neuerungen – dem geneigten Zuschauer unterhaltsame zwei Stunden zu bescheren.

105 Millionen Dollar hat sich WARNER das Remake von Regisseur Ericson Core kosten lassen, was man als recht mutig bezeichnen darf, wenn man bedenkt, dass das Original zwar beliebt ist, aber alles andere als ein Kassenknüller war. Die Rechnung ging nicht auf: POINT BREAK spielte in den Staaten gerade mal 28 Millionen Dollar ein und konnte weltweit zusätzliche 105 Millionen Dollar einspielen. In Anbetracht der hohen Kosten ein enttäuschendes Ergebnis.

 

© Concorde Filmverleih
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Ein enttäuschendes Ergebnis sollte aber nicht zum Anlass genommen werden, den Film vorab als Enttäuschung zu stigmatisieren. Denn das ist er nicht! Zumindest nicht, wenn man auf rasante Action steht und optische Ergüsse mag. Der Film ist ein Fest für Adrenalin-Junkies und die, die es werden wollen. Anders wie beim Vorgänger, begrenzen sich die „sportlichen“ Aktivitäten nicht nur auf das Surfen, sondern hier wird einem die komplette Bandbreite des Extremsports präsentiert: Motocross auf Bergen, rasante Snowboard-Fahrten, Fallschirmsprünge oder die halsbrecherische Besteigung eines Berges. Die Liste kann unendlich fortgeführt werden, denn den Protagonisten ist jedes Mittel recht, um an ihr Ziel zu kommen. Weder Geld noch Ruhm, sondern die Freiheit, seine eigenen Grenzen zu überschreiten – auch wenn es den Tod bedeutet. Diesbezüglich macht der Film alles richtig. Tolle Kamerafahrten, coole Stunts und wunderbare Landschaftsaufnahmen werden en masse zelebriert.

Story technisch bietet POINT BREAK dafür umso weniger Highlights. Bis auf kleinere Veränderungen wird die Original-Geschichte erzählt, ohne aber je in die Breite zu gehen. So dient beispielsweise die kleine Liaison zwischen Utah und Samsara nur als Alibi und die Infiltration Utahs geht viel zu einfach vonstatten. Allerdings fällt auch hier zumindest das Casting der beiden Hauptfiguren positiv auf. Luke Bracey und Edgar Ramirez erfüllen ihre Aufgaben wirklich gut. Zwar bekommen sie zu wenig Raum um diesem Rivale/Bro Ding etwas mehr Tiefgang zu verleihen, doch sie harmonieren hervorragend miteinander. Sie sind würdige Nachfolger ihrer Kollegen Reeves und Swayze. Insbesondere Ramirez strahlt eine so ungeheure Präsenz aus, dass er an Gerard Butlers Performance als Leonidas in 300 erinnert. Was den Machern aber dazu bewogen hat, die ikonische „Schüsse in die Luft“ Szene zu kopieren – welche am Anfang dieses Reviews erwähnt wurde – bleibt wohl deren Geheimnis. Das wirkt unfreiwillig komisch.

 

Point Break - Bewertung

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DVD-Cover & Bilder © Concorde Video.

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