KRITIK – MISSING IN ACTION

© 20th Century Fox / MGM
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Autor: Florian Wurfbaum

Der Kriegs-Actioner ist ein weiteres, typisches Relikt des 80er Jahre Action-Kinos, dessen Story natürlich mit Genre-bekannten Klischees durchtränkt ist und zudem eine überaus fragwürdige Botschaft transportiert. Sicherlich erreicht die Cannon-Produktion in keinster Weise die technische Qualität, der damaligen Action-Vehicle eines Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger. Doch letzten Endes vermag „Missing in Action“, die Genre-Anhänger gerade wegen seiner offensichtlichen Schwächen, wie etwa der beschränkt simplen Geschichte oder der streckenweise unfreiwilligen Komik, unheimlich gut zu unterhalten.

Zum Inhalt: Vietnam bestreitet 1984 hartnäckig amerikanische Kriegsgefangene weiterhin nach Kriegsende inhaftiert zu haben. Der US-Soldat James Braddock (Chuck Norris), der aus vietnamesischer Kriegsgefangenschaft entkam, macht sich auf die Suche nach den angeblich nicht vorhandenen Gefangenenlagern und plant die Befreiung der US-Kriegsgefangenen, um der westlichen Welt den Gegenbeweis zu liefern.

 

© 20th Century Fox / MGM
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Die Story ist Genre-Veteranen nur allzu bekannt, da diese ebenfalls in dem deutlich erfolgreicheren zweiten „Rambo“-Abenteuer von 1985 thematisiert wurde. Zwar erschien „Rambo II – Der Auftrag“ nach der Golan-Globus Produktion, aber das Konzept und Drehbuch wurden u.a. von Mastermind James Cameron zuerst für den Stallone-Hit entwickelt. Als Cannon-Bosse von dem Vietnam-Story-Konzept Wind bekommen haben, erkannten die geschäftstüchtigen Produzenten das Potential und produzierten, mit dem aufstrebenden B-Actionstar Chuck Norris, im Schnellverfahren eine eigene Version zu der damals äußerst populären Vietnam-Kommando Thematik.

Die Handlung ist typisch für die Entstehungszeit, mit Genre-Klischees und reichlich 80er Jahre Pathos minimalistisch zusammengeschustert. Hier sucht der anspruchsvolle Genre-Fan vergeblich nach Story-Überraschungen oder detaillierter Charakterzeichnung. Auch die Dialoge sind teilweise dümmlich geschrieben und können bis auf den einen oder anderen Einzeiler nur wenig überzeugen. Doch genau diese Schlichtheit und klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse offenbaren eine herrliche Unterhaltsamkeit, die den anspruchslosen Zuschauer bestens gelaunt, den Action-Flachsinn genießen lässt.

 

© 20th Century Fox / MGM
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Die patriotische Inszenierung weißt zwar einige budgetbedingte Schwächen auf, aber insgesamt überzeugt Joseph Zitos temporeiche und schnörkellose Regie mit gelungenen Actionzenen, von denen vor allem die ikonische und in Zeitlupe festgehaltene „Chuck Norris Wasserauftauch Baller-Szene“ im Gedächtnis bleibt. Die technischen Attribute, um die authentisch wirkenden Vietnam-Settings und dem stimmungsvollen Score, wissen ebenso zu gefallen und sind zusätzlich auf der Habenseite zu verbuchen.

Chuck Norris mimt seinen bekannten, wortkargen Stereo-Typen, der kompromisslos gegen seine chancenlosen Feinde zu Felde zieht und es sich natürlich nicht nehmen lässt, den Oberboss mittels „Roundhouse Kick“ in den Allerwertesten zu treten. Die schauspielerische Darbietung des Texas Rangers ist bekanntermaßen ziemlich limitiert und folgerichtig reduziert die Material Arts Legende sein Mimenspiel auch im ersten Teil der „Missing in Action“ Trilogie einzig auf seinen knurrigen Todesblick. Aber da der Action-Veteran seine Gegner ja nicht mit Worten überzeugen möchte, sondern eben mit seinen herausragenden physischen Fähigkeiten, ist darüber hinwegzusehen. Zusätzlich neben einem charismatischen Helden, benötigen Filme dieser Machart zur reibungslosen Funktionalität einen hassenswerten Bösewicht. Und auch hier macht der Vietnam-Actioner vieles Richtig, den James Hong als General Trau liefert exakt diesen Typus, den der Action-Liebhaber nur allzu gerne in Gras beißen sieht.
 

Missing in Action - Bewertung

DVD Cover & Bilder © und Eigentum von 20th Century Fox / MGM.

 

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