KRITIK – LONDON HAS FALLEN

 

© Universum/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH
© Universum Film/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Autor: Florian Wurfbaum

„Go back to Fuckanistan“

„Olympus Has fallen“ erwies sich 2013 vor allem in den amerikanischen Kinos als großer Erfolg, so dass die Produzenten natürlich alsbald eine Fortsetzung nachschieben wollten. So waren sich Produzent Les Weldon und sein Team schnell einig wie der Nachfolger aussehen sollte, damit dieser ebenfalls zu einem Hit werden würde. Man bringt die wichtigsten Darsteller und Mitglieder des Kreativteams von dem Erstling erneut zusammen und legt actionmässig an einem neuen, beeindruckenden Schauplatz nochmal eine ordentliche Schippe drauf. Folglich wurde dieses Konzept auch im Vorfeld weitestgehend umgesetzt. Lediglich der Regisseur des Vorgängers Antoine Fuqua konnte nicht überzeugt werden auch diesmal wieder im Regiestuhl Platz zu nehmen. Aber da man mit Babak Najafi den vermeintlich perfekten Ersatzmann verpflichten konnten, waren die Macher überzeugt einen sicheren Hit produziert zu haben.

Zum Inhalt: Nach dem plötzlichen, rätselhaften Tod des britischen Premierministers ist seine Beerdigung ein Pflichttermin für die Staatsoberhäupter der westlichen Welt. Selbstverständlich nimmt auch US-Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart) daran teil, begleitet von seinem Leibwächter Mike Banning (Gerard Butler). Doch was als die bestgeschützte Veranstaltung auf dem Planeten beginnt, entwickelt sich schnell zu einem tödlichen Spießrutenlauf, bei dem das Leben der mächtigsten Anführer der Erde auf dem Spiel steht. Nur mit knapper Not kann Banning das Leben des US-Präsidenten schützen und mit ihm in den Londoner Untergrund fliehen. Doch die Hintermänner der Verschwörung verlangen seine Auslieferung und nehmen die britische Hauptstadt ins Visier. Während Vizepräsident Trumbull (Morgan Freeman) versucht, das gnadenlose Ultimatum hinauszuzögern, nimmt Banning den Kampf auf…

 

© Universum/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH
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Die Story wiederholt im Grunde genommen nur das Szenario des Vorgängers und ist somit zwar zweckmäßig, aber auch gleichzeitig vorhersehbar und streckenweise recht banal. Zumal die Fortsetzung aus inhaltlicher Sicht wieder äußerst dümmlich ist und mit seiner reaktionären Machart eine ärgerliche bisweilen krude rassistische Botschaft transportiert, so dass man objektiv gesehen ein überaus zweifelhaftes Machwerk dargeboten bekommt. Besonders die eindeutigen Bezüge zur aktuellen politischen Weltlage und der damit verbundenen Terrorgefahr lässt den Zuschauer ein ums andere Mal erschaudern und geht wenig sensibel mit den Terrorängsten seines Publikum um. Ebenso kann sich Hollywood auch diesmal nicht verkneifen, das Geschehen in reichlich Pathos zu tränken und seine Figuren fragwürdige Rede schwingen zu lassen. Im übrigen ist in „London Has fallen“ natürlich auch kein Realismus zu erwarten. So überlebt der Held und der Präsident schon mal beinahe unverletzt einen Hubschrauberabsturz. Allerdings sollte zumindest dies keinen Action-Fan abschrecken, da diese Unverwundbarkeit der Helden genreüblich ist.

Wenn man aber die inhaltlichen Ärgernisse ausblendet und den Film auf das reduziert was er letztlich ist, – „stumpfe, reaktionäre Action Unterhaltung“ – bekommt man als anspruchsloser Genre-Fan über 99 Minuten temporeiches und handwerklich gut gemachtes Krawall-Kino serviert. Denn Regisseur Babak Najafi lässt gemeinsam mit seinem physisch, erstklassig arschtretendem Hauptdarsteller  Gerald Butler, mittels der erwähnten Simplifizierung, die – bei Genrefans größtenteils kultig verehrten – Action-Streifen der legendären Cannon-Ära wieder aufleben. So prügelt, messert, ballert, foltert und sprengt sich der Brite als Einmann-Armee durch die Heerscharen an Gegnern, das es für Liebhaber von Old-School Actioner eine wahre Freude ist. Zwar wird der stetig zunehmender Bodycount mit wenig originellen Kills hochgetrieben, aber hier macht es eben die Masse. Letzten Endes zeigt sich von der Machart her unübersehbar, dass die Betreiber des produzierenden Filmstudios Millennium Films („The Expendables“) eben ihr Handwerk bei den Cannon Films gelernt haben.

 

© Universum Film/Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH
© Universum Film / Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Des Weiteren legt das Sequel inszenatorisch noch eine Schippe drauf und profitiert merklich von dem Schauplatzwechsel. So wird London umfangreich in das bleihaltige Geschehen eingebunden, so dass der Zuschauer wechselnde Settings der Weltstadt präsentiert bekommt. Dies sorgt für deutlich mehr Abwechslung gegenüber dem Erstling und wertet „London has fallen“ auf. Auch das Hauptdarsteller-Gespann Gerald Butler und Aaron Eckhardt harmoniert wieder gut und überzeugt vor allem durch ihre Chemie. Ego-Shooter Butler brilliert wie gehabt als coole Sau und darf das Dauer-Feuerwerk mit dem einen oder anderen kernigen Oneliner auflockern.

Dagegen bleibt der Schurke und seine überwiegend gesichtlose Terror-Armee weitesgehend blass und stellt – wie schon in Teil 1 – keinen zufriedenstellenden Gegenspieler dar. Auch offenbart das Sequel trotz des üppigen 60 Millionen $ Budget abermals tricktechnische Schwächen, so dass insbesondere die großen Explosionen förmlich im CGI-Rauch untergehen und wenig imposant daher kommen. Doch dies dürfte das reißerische Treiben nur marginal trüben, denn die Nahkampf-Action und die Shoot Outs überzeugen dafür restlos.

 

London has fallen - Bewertung

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Hier geht es zur Kritik des ersten Teils „Olympus has fallen“

Kinoplakat & Bilder © Universum Film / Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH.

 

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