KRITIK – HARDCORE

© Wild Bunch/Capelight/Central
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Autor: Tom Burgas

Die ersten Szenen aus dem Film landeten ja bereits vor vielen Monaten im Internet und machten die Runde. Im ersten Moment dachte ich mir auch – „Warum hat dass noch keiner vorher gemacht?“. Entgegen der meisten Stimmen, ist „Hardcore“ aber nicht der erste Streifen der komplett aus der subjektiven Sicht gedreht wurde. So gab es vorher zum Beispiel schon einen Film namens „First Person Shooter“. Aber das sei mal dahingestellt und unwichtig, es ist erstmal eine neue Technik und die wurde hier mit Saus und Braus angepriesen und wirkte im Trailer schon sehr stark nach Videospielästhetik. Zudem hatte es einen gewissen billigen Look und Szenen die mir persönlich zu pubertär daherkamen, so dass ich schnell zu der Frage kam, ob die 2 Millionen $ Produktion noch mehr bietet als seine Optik oder ob ich überhaupt noch zur Zielgruppe gehöre und eben doch nicht schon „zu alt für diesen Scheiß“ bin.

Zum Inhalt: Eben noch auf der Schwelle zwischen Leben und Tod, im nächsten Moment als kybernetisch aufgemotzte Kampfmaschine auf der Suche nach der eigenen Identität und den Entführern seiner Frau      Estelle: Für Henry kommt es im futuristischen Moskau hammerhart. Lediglich unterstützt durch den schrägen Jimmy, muss er es nicht nur mit Heerscharen namenloser Söldner aufnehmen, sondern auch deren psychopathischen Boss Akan in die Schranken weisen, der eine Armee biotechnisch aufgerüsteter Soldaten produzieren will. Getreu dem Motto „Blut schlucken und schlucken lassen“ bleibt Stehaufmännchen Henry nichts anderes übrig, als bis zum finalen „Game Over“ auch den letzten der „Scheißkerle“ endgültig plattzumachen.

 

© Wild Bunch/Capelight/Central
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Besonders viel Zeit gibt einem „Hardcore“ nicht, um über das Dargebotene nachzudenken. Schon das Intro zeigt wohin die Reise gehen soll und dass diese überaus blutig sein wird. Folgerichtig ist dann auch die Charaktereinführung so kurz wie möglich gehalten. Letztlich bist du eine Art Kampfcyborg und der Böse hat dein Mädchen, alles andere ist egal, hol sie dir zurück und töte jeden der sich dir in den Weg stellt, so kreativ und abwechslungreich wie möglich. Und mehr gibt es dann auch rund 90 Minuten lang nicht zu sehen und darin liegt sowohl die Stärke, als auch die Schwäche der Timur Bekmambetov („Wanted“) Produktion. Entweder man genießt es dass der Film wirklich jeden Storyballast beiseite wirft und freut sich das Hirn auf Durchzug stellen zu können oder man sagt sich eben dass das insgesamt eigentlich zu wenig ist. Ich hätte wohl spätestens nach ca 30 Minuten zur zweiten Gruppe gehört, da die subjektive Sicht jetzt nun auch keine so große Besonderheit ist, dass sie länger trägt. Jedoch gibt es hier eine große Trumpfkarte und die heißt Sharldo Copley. Seine Spielfreude sprengt die Leinwand und stiehlt jedem die Show. Zumal ein Running Gag dafür sorgt, dass der Darsteller dies in verschiedenen Facetten zelebrieren darf. Alles andere ist leider viel zu sehr einer Klischeevorstellung eines Videospiel entliehen: Der Bösewicht ist nicht von Interesse und eher peinlich, die Story als zweckmäßig zu bezeichnen wäre noch geschmeichelt und selbst der Hauptheld ist frei von jeder Sympatie, mal davon abgesehen, dass er durch einen Storytwist sowieso nie was sagt.

Die Action um die es sich dann nun eben dreht ist dann komplett im erwachsnenen Partymodus. Viel Blut, viel ironische Einfälle beim töten und der bereits gelobte Sharldo Copley, der das Dauerfeuerwerk immermal zwischendurch mit einem pubertär angehauchten Spruch auflockert. So hat die Action-Granate dann auch die perfekte Länge um nicht zu langweilen mit dem immer selben Szenenablauf. Zumal das Gezeigte handwerklich gut gemacht ist, so dass die Stuntcrew neben Copley den meisten Applaus verdient.

 

Hardcore - Bewertung

 

SEIT DEM 14. APRILI 2016 IM KINO!!

 

 

Plakat, Bilder & Trailer © Wild Bunch/Capelight/Central.

 

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