KRITIK: CRIMINAL SQUAD

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© Concorde Filmverleih GmbH

Autor: Tom Burgas

Sind wir doch mal ehrlich, nach Sichtung des Trailers muss man unweigerlich an HEAT denken, da die Ähnlichkeiten einfach zu zahlreich sind, so dass einem der Vergleich regelrecht ins Gehirn geblasen wird. Kaum zu glauben, dass das Projekt ganze 14 Jahre in der Entwicklungshölle war. Bei dieser langen Zeit hätte man doch wenigstens ein paar Anpassungen vornehmen können um mehr Originalität zu erlangen. Denn eins ist klar, man steigt möglichst nie mit einem Gottkönig des Genres in den Ring. Gerade wenn es sich um das erste Regieprojekt handelt, daher muss man auch im Vorfeld dem Regisseur Christian Gudegast – der zuvor „nur“ an Projekten wie LONDON HAS FALLEN oder EXREME RAGE mitgeschrieben hat – einen gewissen Grad an Mut attestieren. Diese Fakten machten dann auch nur wenig Hoffnung für CRIMINAL SQUAD, da die Filme unter seiner Beteiligung im besten Fall gute Genreware waren, jedoch keinesfalls mehr.

Trotzdem fand ich den Trailer recht schick, vor allem dank Gerard Butler, der hier im Grunde den Pacino-Part übernimmt und wunderbar assozial und zielgerichtet erscheint. Sein Schauspiel und sein ganzes Auftreten ist sogleich der Höhepunkt des Films. So sind er und seine Polizeieinheit – wie beim Vorbild selbst – jederzeit am Rande des Gesetzes und stellen innerhalb einer intensiven Verhörszene klar: „Wir sind hier die Bösen“.

 

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Auf der anderen Seite haben wir Bankräuber, die immer wieder den Kick suchen und selbstverständlich – wie es das Genreklischee verlangt – nur noch das letzte große Ding drehen wollen. Leider haben wir auf dieser Seite keine Figur die ähnlich polarisiert wie es bei den Cops Butler tut. Pablo Schreiber ist zwar generell ein charismatischer Typ, der vor allem in der Hitserie AMERICAN GODS als irischer Kobold punkten konnte, aber hier einfach keine erinnerungswürdigen Szenen spendiert bekommt. So sieht man in der einzigen gemeinsamen Szene zwischen den beiden in einem Restauraunt (ein Schelm wer hier abermals an einen bestimmten Film denkt), dass hier eine große Chance vertan wurde, den Film auf der zwischenmenschlichen Ebene intensiver und tiefgehender zu gestalten. Zumal es in dieser Szene für ein ein paar Sekunden regelrecht zwischen Butler und Schreiber brodelt und man sich danach wünscht, mehr in dieser Richtung zu sehen. Das bekannteste Gesicht neben Schreiber wäre dann noch Curtis Jackson, der sein Rapperimage schon jahrelang abgelegt hat und wie eigentlich bei jedem seiner Filmauftritte weder stört, noch Bäume auszureißen vermag. Sehr schade, denn seine Präsenz auf der Leinwand ist immer recht charismatisch, aber am Ende geht es ihm wie allen anderen Charakteren – sie erhalten einfach nicht genügend Szenen, um in Erinnerung zu bleiben.

Was man stattdessen serviert bekommt, ist im ersten Drittel eine ordentliche Einführung der Figuren, die durch Butler noch recht unterhaltsam gerät, die aber dann im zweiten Drittel etwas absäuft, da sich die 30 Millionen US-$ Produktion auf den relativ unspektakulären Heist konzentriert und dieser so gar keine Spannung erzeugen will. Dies liegt einerseits an den Figuren, die einem weitgehend egal sind und andererseits, an dem recht konfusen Verlauf.  Auch die Laufzeit von rund 140 Minuten wirkt sich negativ auf die Spannung aus. So muss man sich leider damit anfreunden, dass es zwischendurch immer wieder mal leichte Hänger gibt. Ein Grund dafür ist,  dass den Zuschauer –  anders als beim Vorbild – die ruhigen bzw. actionarmen Szenen einfach nicht interessieren,  so dass hier auch wieder die große Kluft zu HEAT auffällt.

 

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Zum Glück rüttelt einen der Showdown dann etwas auf. Dieser klaut zwar auch wieder nur, kommt aber ähnlich wuchtig – wie bei seinem großen Vorbild von Michael Mann – daher, so dass die Waffensounds einen schön aus dem Sessel knallen. Generell bietet der Action-Thriller  handwerklich gute Arbeit und ist insgesamt ganz nett inszeniert. Keine schlechten CGI oder übertriebenen Szenen die einen rausreißen. Auch auf Humor wurde verzichtet, so dass man ihm dann zugutehalten kann, dass er sich erfreulicherweise überwiegend an ein erwachsenes Publikum  richtet. Denn wenn hier die Maschinengewehre durchgezogen und Autos zersiebt werden, machen beide Seiten keine Gefangenen und dabei wird einem erneut das durchaus vorhandene Potential von CRIMINAL SQUAD aufgezeigt.

Am Ende des Tages haben wir trotzdem eine Lightversion von HEAT, die schon fast als Remake durchgehen könnte und zu keiner Zeit die Intensität des Originals erreicht. Jedoch säuft der Streifen nicht komplett ab, was vor allem an der straighten Inszenierung und einem famosen – vor Testosteron fast explodierenden – Gerard Butler liegt. Schade nur das CRIMINAL SQUAD nichtmal im Ansatz probiert was eigenes auf die Beine zu stellen. Denn dadurch fühlt man sich die ganze Zeit, als müsste man Cola Light trinken, obwohl man eigentlich nur ein Fach weiter zur richtigen Coke greifen könnte. Da hilft dann auch nicht der gezwungen wirkende kleine Twist am Ende.

 

Criminal Squad - Bewertung

Seit dem 7. Juni als DVD, Doppel-DVD und Blu-ray erhältlich.

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