KRITIK: AMERICAN FIGHTER

© Studiocanal
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Autor: Florian Wurfbaum

Zum Inhalt: Der wortkarge Soldat Joe Armstrong (Michael Dudikoff) vereitelt einen Überfall auf einen Laster-Konvoi der US-Armee. Dabei kann der Einzelgänger zwar die Ware und die Tochter des Generals retten, jedoch verlieren bei den Kämpfen mit zahlreichen Ninjas viele G.I.’s ihr Leben. Daher wird er auch von da skeptisch von seinen Kameraden beäugt und wird zur meist-verachteten Person des Armee-Stützpunktes. Als ihn der Ausbilder Curtis Jackson (Steve James) herausfordert und Joe den Kampf auf beeindruckende Weise für sich entscheidet, gewinnt er wieder an Akzeptanz bei den Marines. Doch als Joe weitere Nachforschungen bezüglich der wiederholenden Überfälle auf die Armee-Konvois unternimmt, muss er feststellen, dass die Überfälle aus den eigenen Reihen in Auftrag gegeben werden. Daraufhin schließt sich Joe mit Ausbilder Jackson zusammen, um den Schurken das Handwerk zu legen.

 

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Nachdem die „Cannon Studios“ Anfang bis Mitte der 80er Jahre mit der sogenannten „Ninja“-Trilogie große Erfolge auf dem Videomarkt feiern konnten, wollten die zwei  Cannon Bosse Menahem Golan und Yoram Globus die Gewinne weiter maximieren. Hierzu versuchten die Beiden ihr größtes Zugpferd Chuck Norris in einen schwarzen Kampfanzug zu zwängen. Jedoch machten Golan-Globus die Rechnung ohne Norris. Der Actionstar lehnte die Rolle des „American Warrior“ – wie der ursprüngliche Filmtitel lautete – ab, da er keinen Film machen wollte, wo sein Gesicht durch eine Ninja-Kapuze bedeckt bzw. nicht zu erkennen ist.

 

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„Wenn ich in einem Film mitspielen möchte, will ich nicht, dass mein Gesicht versteckt wird. Ich will ich selbst sein.“ (Chuck Norris)

So mussten sich die zwei Israelis anderweitig umsehen. Schließlich waren sie von dem Grundkonzept überzeugt. Zumal sich die Cannon Group Mitte 80er in ihrer absoluten Hochzeit befand und damals das Geld besonders locker saß. Gemeinsam mit Regisseur Sam Firstenberg, der 1983 mit „Die Rückkehr der Ninja“ den Ninja-Streifen schlechthin inszenierte und damit nachfolgende Filme der Wurfstern-Werfer maßgeblich beeinflusste, suchten die Produzenten einen passenden Hauptdarsteller. Die Anforderungen an den gesuchten Hauptdarsteller waren eigentlich recht einfach. Er sollte einerseits wortkarg und breitschultrig sein und andererseits einen gewissen James Dean-Look haben. Unter den zahlreichen Bewerbern befand sich auch „Karate Tiger“-Star Kurt McKinney, allerdings wurde dieser mit der Begründung er wäre zu jung abgelehnt. Nachdem über 400 Schauspieler für die Titelrolle näher angeschaut wurden, entschied letztendlich Menahem Golan den jungen Kalifornier Michael Dudikoff – vornehmlich wegen seines James Dean-Looks – zu nehmen. Und das obwohl Dudikoff keine Kampfkunstausbildung hatte. Jedoch versicherte der Kampfchoreograf Mike Stone, ein erfahrener Kampfkunst-Experte, den Produzenten, dass Dudikoff aufgrund seiner hervorragenden Athletik die Kampfsport-Bewegungen recht schnell erlernen würde, was am Ende auch so war.

 

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„Nehmt das Dudikoff-Kid!“ (Menahem Golan)

Für die weiteren tragenden Rollen wurden unter anderen der hauptberuflich als Stuntman arbeitende Steve James und die attraktive Jungdarstellerin Judie Aronson verpflichtet. Beide hatten übrigens im selben Jahr auch bei der John Hughes Teenie-Komödie „L.I.S.A. – der helle Wahnsinn“ mitgewirkt. Nachdem der Cast stand begannen umgehend die Dreharbeiten, die aus Kostengründen auf den Philippinen stattfanden. Dies war zur damaligen Zeit der bevorzugte Drehort für Cannon Produktionen, die einen exotischen Look brauchten. Regisseur Sam Firstenberg nutzte die Location auch perfekt und ließ die 1 Millionen $ Produktion wesentlich teurer aussehen. Zudem harmonierten die Darsteller während der Dreharbeiten gut miteinander, wobei es laut Co-Star Steve James anfänglich zwischen ihm und Hauptdarsteller Michael Dudikoff zu kleineren Unstimmigkeiten kam. Dies lag angeblich daran, dass Dudikoff von den Kampfkünsten des Afro-Amerikaners schwer beeindruckt war und sich dadurch unter Druck gesetzt fühlte. Um weitere Spannungen zwischen den Beiden zu vermeiden, bat James darum, seine letzten Kampfszenen auf der anderen Seite des Drehgeländes, weit weg von Dudikoff, zu drehen. Jedoch entspannte sich die Lage nach der Hälfte der Dreharbeiten und die beiden späteren Freunde legten ihre Differenzen beiseite. Während der Aufnahmen erkrankte Dudikoff an Malaria, so dass ihm die späteren Kampfszenen schwer fielen.

 

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Als die Dreharbeiten abgeschlossen waren, ließ die Veröffentlichung auch nicht lange auf sich warten. Aber bevor der Action-Streifen am 30. August 1985 in den nord-amerikanischen Kinos startete, änderte Cannon noch kurzerhand den US-Titel in „American Ninja“. Mit der Tagline „Die tödlichste Kunst des Orients befindet sich jetzt in den Händen eines Amerikaners“ legte die Cannon Produktion ein mehr als ordentliches Startwochenende hin und belegte mit Einspiel von 3,2 Millionen US-$ Platz 4 der amerikanischen Kinocharts. Was für eine so kleine Produktion ohne namhaften Star überaus beachtlich war. Am Ende spielte der Film mit knapp 10,5 Millionen US-$ allein in Nordamerika über das 10-fache der Produktionskosten ein. Auch in Deutschland überraschte der Streifen an den Kinokassen. So lockte „American Fighter“, wie der Film in Deutschland heißt, knapp 300.000 Besucher vor die Leinwände. Seinen Kult errang der B-Klopper aber erst auf dem damals regelrecht brodelnden Videomarkt. Die Cannon Produktion war Dauergast auf den vorderen Rängen der Heimkinocharts und machte Hauptdarsteller Michael Dudikoff zum Actionstar, der noch jahrelang von seinem „American Fighter“-Ruhm profitieren konnte.

 

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Und das völlig zu recht, denn der Actionfilm zählt definitiv zu den besten und prägendsten Produktionen der Kult-Filmschmiede. Regisseur Sam Firstenberg liefert einen erstklassig unterhaltenden B-Actioner, der gut ausbalanciert ist. Dabei konzentriert sich der Streifen Cannon-typisch auf die Action und punktet vor allem mit der exotischen Kulisse, den gut choreografierten, handgemachten Action-Szenen und seinem charismatischen Hauptdarsteller. Michael Dudikoff zeigt bereits in seiner ersten Hauptrolle seine Präsenz und punktet trotz mangelnder Martial-Arts Kennnisse vor allem auch physisch. Dazu lässt auch Co-Star Steve James sein Potenzial aufblitzen und bewirbt sich für größere Aufgaben. Inhaltlich bietet der Film natürlich nicht mehr als einen Standard-Action-Plot ohne jegliche Überraschungen oder Vertiefungen. Aber da dies dem Streifen durchaus bewusst ist und er eben auf Kurzweil und Action setzt, ist das mit anspruchslosen Blickwinkel absolut zu vernachlässigen. Was auch daran liegt, dass der Ninja-Streifen viel 80er Charme versprüht und zudem mit dem eingängigen Score von Michael Linn überzeugt. „American Fighter“ steht praktisch für alles was Cannon ausmacht, so dass man den Action-Kultfilm als Genre-Fan nur in sein Herz schließen kann.

 

American Fighter - Bewertung

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