KRITIK – 96 HOURS – TAKEN 3

© Universum Film
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Autor: Florian Wurfbaum

Nachdem mich die ersten beiden Rache-Actionfilme aus Luc Bessons erdachter „Taken“-Reihe hervorragend unterhalten haben, war meine Vorfreude überaus groß, ein drittes Mal Agent Byran Mills bei seinen Aufräumarbeiten anzufeuern. Die größte Stärke bei den Vorgängern ist neben einem erstklassig aufspielenden Liam Neeson vor allem die schnörkellose und kompromisslose Inszenierung. Sicherlich zeigte „96 Hours – Taken 2“ bereits erste Abnutzungserscheinungen, aber insgesamt erwies sich Teil 2 als solide Fortsetzung, die gut zu unterhalten vermochte.

Zum Inhalt: Der ehemalige Top-Agent Bryan Mills (Liam Neeson) wird fälschlicherweise am grausamen Mord an seiner Ex-Frau Lenore (Famke Janssen) beschuldigt. Dadurch gerät er plötzlich ins Fadenkreuz des hartnäckigen L.A. Polizeiinspektors Franck Dotzler (Forest Whitaker) und wird nun selbst zum Gejagten. Mills versucht derweil mittels seiner ganz besonderen Fähigkeiten, den wahren Killer aufzuspüren, um diesen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Sache spitzt sich weiter zu, als zudem Mills Tochter Kim (Maggie Grace) ins Visier des Killers gerät…

Die Story bietet bis auf den Location-Wechsel und der Tatsache, dass Hauptcharakter Mills zusätzlich auf der Flucht vor der Polizei ist, nicht viel Neues. Schlussendlich geht es auch diesmal wieder um einen Rachefeldzug des ehemaligen Top-Agenten, ohne sich hierbei durch eine ausgefeilte Charakterentwicklung oder eines besonders ausgeklügelten Plots bremsen zu lassen. Auch in Teil 3 dient die Story eben nur als Aufhänger für reißerische Rache-Action. Dies wäre für Action-Anhänger sicherlich zu verschmerzen, wenn es nicht im finalen Abenteuer dermaßen unlogisch und überzogen zugehen würde, dass sich selbst anspruchslose Genre-Fans, von den Drehbuchautoren Luc Besson und Robert Mark Kamen, streckenweise für Dumm verkauft vorkommen.

 

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Dagegen bringt der neu gewählte Schauplatz Los Angeles frischen Wind in das Franchise und auch die neu hinzugestoßenen Darsteller um Forest Whitaker werten „96 Hours – Teil 3“ schauspielerisch auf. Jedoch durchtränkt Regisseur Olivier Megaton („Colombiana“, „Transporter 3“) die Action-Szenen mit einem hektischen Schnittgewitter, dass dem Katastrophen-Schnitt des Bond-Abenteuers „Ein Quantum Trost“ in nichts nachsteht. Dadurch verkommen die eigentlich als Stärke der Reihe geltenden Momente zu einem unübersichtlichen und beim Zuschauer Schwindel auslösenden Ärgernis. Es ist nicht nachzuvollziehen, was die Macher dazu bewogen hat, auf dieses Stilmittel zurückzugreifen. Vielleicht sollten damit inszenatorische Schwächen oder gar eine Formschwäche von Liam Neeson kaschiert werden? So krankt der Actioner an den, für einen Genre-Film, ungemein wichtigen technischen Attributen. Folglich kann Mills voraussichtlich letzter Rachefeldzug, trotz einiger positiver Neuerungen die ärgerlichen technischen Unzulänglichkeiten nicht kompensieren.

Auch der Gewaltgrad wurde weiter nach unten geschraubt. So fehlen bei den Shoot Outs jegliche Härten, wie z.B. blutige Einschusslöcher. Dagegen enthält Mills finaler Einsatz für die Familie erneut eine kompromisslose Folterszene, die aber gegenüber den unblutigen Actionszenen eben nicht so ganz in das Gesamtbild passt und somit den Actioner gewalttechnisch unrund wirken lässt.

Die Besetzung ist namhafter denn je. So macht der mit Forest Whitaker und Dougray Scott erweiterte Cast auf den Papier einiges her. Doch von den Neulingen vermag einzig Whitaker in einer seiner Paraderollen, den akribischen Polizeiinspektor, wirklich zu überzeugen. Die Leistung der restlichen Darsteller kann bestenfalls als solide bezeichnet werden und wirken teilweise austauschbar. Und auch der insgesamt überzeugende Franchise-Star Liam Neeson zeigt erstmals Abnutzungserscheinungen und liefert nur eine durchschnittliche Performance ab.

 

96 Hours - Taken 3 - Bewertung

Seit dem 29. Mai im Extended Cut als DVD, Blu-ray & VoD erhältlich!

Leider sind wir bislang nicht in den Genuß des Extended Cuts gekommen, aber wir haben Zweifel ob dieser den Film wirklich besser machen kann?

Filmseite: www.96hours-taken3.de

Facebook: www.facebook.com/96HoursTaken3

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