KRITIK – DER CLAN DER VAMPIRE – DIE KOMPLETTE SERIE

© Dominik Starck / Entertainment Blog
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Autor: Dominik Starck

Kurz bevor BUFFY – IM BANN DER DÄMONEN Vampire im Fernsehen cool und hipp machte und lange bevor die TWILIGHT-Saga Romantik mit Kitsch verwechselte und Kino-Vampire kaum noch genießbar machte gab es für einen kurzen Augenblick der Ewigkeit den CLAN DER VAMPIRE. Angesiedelt irgendwo zwischen klassischen Dracula-Elementen und einem ordentlichen Schuss DER PATE zeigten sie eine düster-romantische Schattenwelt inmitten unserer Gesellschaft, in der sich diese „Blutsverwandten“ durch eine Maskerade zu verbergen versuchen. Das Ende der Serie kam so schnell wie tragisch, doch noch heute ist sie das Neu- und Wiederentdecken wert. Dankenswerterweise hilft Koch Media mit einer grandiosen DVD-Neuauflage, den CLAN DER VAMPIRE seinem Schattendasein für neue Zuschauer zu entreißen.

Zum Inhalt: Det. Frank Kohanek (C. Thomas Howell) ist ein Cop in San Francisco und wie besessen hinter Julian Luna (Mark Frankel), dem mächtigen Ex seiner Freundin her. Luna ist ein zurückgezogen lebendes, doch steinreiches Enigma und Frank überzeugt davon, dass er dem organisierten Verbrechen vorsteht. Als Lunas Leibwächter sich selbst entzündet beginnt Frank zu erahnen, dass hier größere Kräfte am Werk sind. Er muss erkennen, dass Vampire mitten unter uns leben. Die Blutsverwandten, wie sie sich selbst nennen, leben in einem wackeligen Frieden in fünf sehr verschiedenen Clans und bleiben dank der strengen Gebote ihrer „Maskerade“ von den Menschen unentdeckt. Julian Luna herrscht als Prinz von San Francisco über die Clans, was ihn gleichzeitig auch zum Richter und Henker unter Seinesgleichen macht. Nicht ohne Neider, die gerne seinen Platz einnehmen würden…

 

© Koch Media GmbH
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Mitte der 1990er Jahre wurde das Fernsehen mit einer ganzen Reihe von phantastischen Serien überschwemmt, die von zwei Indikatoren beeinflusst waren. Dem unglaublichen Erfolg von AKTE X und dem damit einhergehenden „Mystery-Boom“ sowie der Revolution von digitaler Tricktechnik, die im Fernsehen Dinge möglich machte, die bis dato undenkbar und/oder unbezahlbar waren. Durch die schiere Masse an Serien überlebten viele davon ihre erste Staffel nicht, darunter qualitativ sehr starke und heute leider beinahe vergessene Perlen wie AMERICAN GOTHIC mit Gary Cole und eben CLAN DER VAMPIRE.

Der CLAN DER VAMPIRE hatte ein noch kürzeres Leben als die meisten ihrer Leidensgenossen und verschwand bereits nach bereits 8 Episoden von den Bildschirmen. Der tragische Hintergrund hatte allerdings wenig mit der hohen Qualität der Horror-Serie zu tun, die mit Elementen der Seifenoper und des Mafia-Dramas versetzt war und mit einem starken Ensemble, einer vielschichtigen Vampir-Welt und gotischer Romantik aufwartete. Der erste Schwung an Episoden endete regulär mit einem Höhepunkt der Geschichte, wonach die Produktion in eine Pause ging, aus der sie wenige Monate später mit weiteren Episoden zurückkehren sollte. Doch dazu kam es nicht, da der charismatische Hauptdarsteller Mark Frankel (FORTUNE HUNTER) am 24. September 1996 in seiner Geburtsstadt London bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Er wurde nur 34 Jahre alt und hinterließ Frau, Sohn sowie ein ungeborenes zweites Kind- und eine Serie, deren ausgezeichnetes Ensemble rund um die zentrale Figur Julian Luna aufgebaut war. Frankel zu ersetzen erschien damals genauso unvorstellbar wie die Serie direkt ohne ihn fortzusetzen. Hinzu kam, dass die Serie für ihre Zeit relativ düster gestaltet und mit Blut und Sex angereichert war. Aus heutiger Sicht sicher vergleichsweise zahm doch damals ihrer Zeit ein wenig voraus und so verwundert es nicht, dass man den Stecker zog.

 

© Koch Media GmbH
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Doch am Anfang der Geschichte stand Autor und Produzent John Leekley, der später auch an der ebenfalls sehr düsteren und mit Emmys prämierten SPAWN-Animationsserie arbeitete. Inspiriert von dem Pen-&-Paper-Rollenspiel „Vampire: Die Maskerade“ ersann er das Konzept zu KINDRED: THE EMBRACED, wie die Serie im Original heißt. Wie der Titel des Rollenspiels bereits andeutet gibt es auch hier das oberste Gebot, dass Vampire sich Menschen nicht offenbaren und auch keine Menschen töten dürfen, da sie andernfalls ihr eigenes Leben verwirken. Zu groß ist die Angst der Clans davor, entdeckt zu werden und als Opfer einer erneuten Inquisition zu enden. Auch die Aufteilung in Clans gibt es in dem Rollenspiel, allerdings wurden diese verändert und vor allem für das Fernsehen nur ein Teil der zahlreichen Ligen, Cliquen und Clans verwendet.

Ausgerechnet mit Soap-Profi Aaron Spelling (SUNSET BEACH, MELROSE PLACE) fand man einen zugkräftigen Produzenten, der Leekleys Vorhaben unterstützte, obwohl der Stoff so gar nicht in seiner Wohlfühlzone angesiedelt war. Nichts desto weniger erkannte der TV-Veteran die Qualität des Stoffes und ähnlich erging es auch den Schauspielern, die man schließlich verpflichtete. Mark Frankel brachte das nötige Charisma für den gleichermaßen melancholischen und harten Prinzen ein und mit C. Thomas Howell (HITCHER – DER HIGHWAYKILLER, E.T.) hatte man einen bereits seit Kindertagen erfahrenen Schauspieler als menschliches Gegengewicht besetzt. Das romantische Dreieck um Luna komplettierten die perfekt besetzt Stacy Haiduk (TRUE BLOOD), die zuvor Hauptrollen in den Serien SUPERBOY und SEAQUEST hatte, und Kelly Rutherford (GOSSIP GIRL, SCREAM 3). Man kann in diesem Artikel gar nicht jeden Darsteller ausgiebig genug loben, doch gerade Jeff Kober (THE WALKING DEAD) glänzt unter dem Nosferatu-Make-Up, Charakterdarsteller Patrick Bauchau (BIG ASS SPIDER) war schon Bond-Gegenspieler und heuerte danach für vier Jahre bei PRETENDER an und Brian Thompson (DIE CITY-KOBRA) hatte in den 1990er Jahren ohnehin einen guten Lauf als TV-Bösewicht. AKTE X-Fans kennen ihn noch als formwandelnden, außerirdischen Kopfgeldjäger. In der letzten Folge liefert zudem Titus Welliver (BOSCH, SONS OF ANARCHY, DEADWOOD) einen Auftritt, den man gesehen haben muss.

 

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Kurioses Detail am Rande: bereits 1991 gab es einen Film namens DER KLAN DER VAMPIRE mit Patrick Bauchau, der vom Leben und den Konflikten der „Carpathian Americans“ handelt, blutsaugenden Einwanderern in Long Beach. Abseits einer ähnlichen Prämisse hat dieser so rare wie unterdurchschnittliche Film nichts mit der Serie zu tun. Der deutsche Titel von KINDRED: THE EMBRACE, CLAN DER VAMPIRE, ist zwar griffig, doch von vorne herein irreführend falsch gewählt, geht es doch explizit um fünf verschiedene Clans und deren Konflikte untereinander und mit der Welt der Sterblichen, und nicht um einen einzelnen.

Sieht man heute auf die 20 Jahre alte Serie zurück kann man zufrieden feststellen, dass sie sich ausgesprochen gut gehalten hat. Die Ausstattung war edel, die Inszenierung hatte dank Peter Medak, der den Piloten und die erste Episode umgesetzt hatte, einen geradezu filmischen Look, die Effekte werden bewusst kurz gehalten und fallen daher heute nicht negativ auf. Die Musik von J. Peter Robinson (HIGHLANDER III, EERIE, INDIANA, FREDDY’S NEW NIGHTMARE) erzeugt noch heute gelungen Atmosphäre und das Schauspiel ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Sicher; heute wären die Erotikszenen ebenso expliziter wie die Gewalt und mancher Dialog könnte etwas subtiler ausfallen, hat man den Zuschauer doch durch Serien wie DIE SOPRANOS oder BREAKING BAD dahingehend längst emanzipiert. In jedem Fall hatte die Serie Potential, das sich selbstredend in gerade einmal acht Episoden nicht voll ausspielen konnte und die Hoffnung nährt, dass Leekley noch einmal in seine Welt der Maskerade zurückkehrt. Sei es mit einer cleveren Fortsetzung oder einem zeitgenössischen Reboot. Bis dahin kann man die Mini-Serie immer wieder auf sich wirken lassen und sich sicher sein: sie sind unter uns.

 

© Dominik Starck / Entertainment Blog
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Die DVD-Neuauflage von Koch Media besticht nicht nur mit ihrer auffälligen und hochwertigen Sonderverpackung in Übergröße sondern hat auch starkes neues Bonusmaterial unter dem Deckel, das sowohl in Umfang als auch Qualität überzeugt. Ein ins deutsche übersetzter doppelseitiger Brief von Showrunner Leekley macht den Anfang, dicht gefolgt vom „Book of Nod“, praktisch der „Bibel“ der Vampir-Mythologie hinter der Serie. Reichhaltig mit Zeichnungen illustriert ist das 136-seitige englische Buch ein Leckerbissen für die langjährigen Fans. Wer gerne mehr über die Produktion erfahren möchte wird ebenfalls bedient. Es gibt zu über der Hälfte der Episoden äußerst interessante Audiokommentare mit den Machern der Serie, ca. 26 Minuten an geschnittenen Szenen, die Featurette „Die Maskerade – Herkunft der Vampire“ (ca. 9 Minuten), Trailer, kurze Episodenrückblicke und einen Extended Cut der Pilotepisode (ca. 83 Minuten). Absolute Höhepunkte sind die 60-minütige retrospektive Dokumentation „Die Chronik des Clans“, in der zahlreiche Beteiligte von vor und hinter den Kulissen zu Wort kommen, sowie der Kurzfilm „Daedalus‘ letzter Wille und Testament“ (ca. 13 Minuten). Dieser Kurzfilm, den John Leekley 2013 produzierte, bringt noch einmal Jeff Kober in seinem ikonischen Make-Up zurück und deutet an, wie man die Geschichte der Blutsverwandten heute weitererzählen könnte. Ein bittersüßes Highlight.

Natürlich kann man von dem 20 Jahre alten TV-Vollbild keine Wunder erwarten, doch zusammenfassend eine Sonderedition, die den Namen mehr als verdient hat und selbst für Käufer der Erstauflage ein lohnendes Update darstellt.

 

Der Clan der Vampire - Bewertung

Ab dem 11. Mai 2017 als Special Edition auf DVD erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © Koch Media GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

 

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