KRITIK – AKTE X – SEASON 2 (BLU-RAY)

© 20th Century Fox Home Entertainment
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Autor: Dominik Starck

Eine Serie über moderne Legenden, UFO-Verschwörungen und allerlei Serienkiller mit übernatürlichem Einschlag, ersonnen von einem ehemaligen Surfer, der seine Inspiration bei einer quasi unbekannten Uralt-Gruselserie namens DER NACHTJÄGER gefunden hatte. Nein so formuliert klangen die Zutaten von AKTE X – DIE UNHEIMLICHEN FÄLLE DES FBI, wie die 1993 debütierte US-Serie X-FILES in Deutschland heißt, nicht wie ein sicherer Geheimtipp und erst recht nicht nach einem Massenphänomen. Jedoch überzeugten bereits die ersten Episoden mit beklemmender Atmosphäre, intelligenten Geschichten und zwei zuvor mehrheitlich unbekannten Hauptdarstellern, die in ihren Rollen als FBI-Agenten Mulder und Scully zu Weltruhm kommen und das Fernsehen revolutionieren sollten. Als die zweite Staffel 1994 auf Sendung ging vollzog sie mit den neuen paranormalen Begegnungen die Kehrtwende in Richtung moderner Kult. Über 13 Jahre nach Ende der Erfolgsserie kehren Mulder und Scully nicht nur für ein Revival auf die heimischen Bildschirme zurück, nein, auch ihre frühen Abenteuer erstrahlen auf Blu-ray in HD-Abtastung in neuem Glanz.

Zum Inhalt: FBI-Agent Fox Mulder (David Duchovny) ist ein Getriebener, ein Mann, der an Übernatürliches glauben möchte, weil er sich nur so erklären kann, dass ihm seine Schwester genommen wurde, als er noch ein Kind war. Während er von Kollegen belächelt UFOs und vermeintlichen Verschwörungen aus den sogenannten X-Akten des FBI hinterher jagt, betrachtet seine Partnerin Dr. Dana Scully (Gillian Anderson) ihre Fälle von einem deutlich skeptischeren Standpunkt aus. Dann wird Scully von einem Mann entführt, der behauptet, selbst von Außerirdischen gekidnappt worden zu sein. Mulder setzt alles daran, seine Partnerin zu retten…

 

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Der Sommer 1996 war eine harte Zeit für AKTE X-Fans in Deutschland. Flächendeckende Internet-Gemeinschaften zum Austausch und rätseln existierten noch nicht, als sich die zweite Staffel mit „Anasazi“ von Mai bis Oktober in die Sommerpause verabschiedete. Nach zwei Mehrteilern im Laufe der Staffel war die UFO-Verschwörung der Regierung in vollem Gange. Mulder und Scully geraten durch gehakte Informationen aus dem Pentagon ins Kreuzfeuer und am Ende sitzt Mulder in der Wüste Arizonas in einem vergrabenen Zug-Waggon voller mumifizierter und außerirdisch anmutender Leichen fest. Draußen taucht der mysteriöse Raucher mit einem Team Soldaten auf. Der einzige Zugang wird bewacht, eine Bombe in den Waggon geschmissen. Als der oberste Verschwörer sich zurück in seinen Helikopter schwingt geht der Waggon in Flammen auf. Das weitere Schicksal Mulders blieb völlig offen, ebenso die Antworten auf die neuen Fragen, die im Indianer-Reservoir aufgeworfen wurden. Lebt Mulder? Wenn ja, können er und Scully ihre Jobs behalten? Was passiert mit dem Datenspeicher, auf dem angeblich alle UFO-Akten der letzten 50 Jahre zu finden sind? Werden sie den hinterhältigen Mord an einem Familienmitglied aufklären können?

Quälende Monate vergingen, es sei denn man war bereit, in die erste Videokassette zur Serie zu investieren und sich damit selbst zu spoilern. Ganz offiziell und Monate vor der Ausstrahlung auf dem AKTE X-Stammsender ProSieben. Die VHS mit dem Titel „Die ungeöffnete Akte“ enthielt nicht nur die Episode „Anasazi“ sondern auch die ersten beiden Episoden der Folgestaffel, welche die Auflösung des fiesen Cliffhangers boten („Das Ritual“, „Verschwörung des Schweigens“). Das Verfahren der Vorab-Veröffentlichung von Videokassetten, die Zusammenschnitte von Mythologie-Mehrteilern beinhalteten, erwies sich als lukrativ und sollte sich in Wechselwirkung von Fernsehen und VHS-Handel in den kommenden Jahren noch einige Male wiederholen.

 

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Ohne auf jede Folge eingehen zu wollen seien an dieser Stelle einige beispielhaft genannt. Bereits früh wird Scully von Duane Barry entführt („Unter Kontrolle“, „Seilbahn zu den Sternen“), während „Drei“ die einzige Folge ist, die komplett auf Gillian Anderson als Scully verzichten muss. In „Die Kolonie, Teil 1 + 2“ kommt es zu einer überraschenden Familienzusammenführung und einer weiteren wichtigen Entwicklung innerhalb der Verschwörungen. Exzellente Gastdarstellungen von „Candyman“ Tony Todd in „Schlaflos“ oder „Monk“ Tony Shalhoub „Das Experiment“ begeistern und mit „Der Zirkus“ präsentiert die Serie ihre erste düster-amüsante Episode. Gerade, als AKTE X begann, die eigene Nische zu einer Marke zu etablieren, testete sie hier bereits ihre Grenzen aus. Wo in der ersten Staffel noch eher Fälle aus dem Standard des Übernatürlichen präsentiert wurden (Werwölfe, künstliche Intelligenzen, Geister-Besessenheit…) wird man bereits selbst zum Maß der Dinge in Sachen Mystery.

AKTE X war nicht der erste Mystery-Erfolg in Serie. Dieser Titel mag David Lynchs TWIN PEAKS vorbehalten bleiben. Dennoch wurde AKTE X zum größten Phänomen, Kult und Inbegriff der Mystery-Serie, der Mitte der 1990er Jahre einen regelrechten Boom auf ähnlich mysteriöse Stoffe auslöste. „Strange Luck“, „The Visitor“, „American Gothic“, „Dark Skies“, die Liste ist lang. Viele Serien waren inhaltlich gut, doch die wenigsten überlebten allzu lange im Schatten des großen X.

 

Akte X - Season 2 - Bewertung
 

Die neue Blu-ray-Präsentation trägt der inhaltlichen Qualität der Sendung absolut Rechnung. Das ehemalige Vollbild erstrahlt in gestochen scharfem 16:9 und auch wenn die Bildkomposition beim Vollbild gelungener war, ist die deutlich bessere Qualität einfach nur ein Genuss. Das alte Bonusmaterial der DVD-Editionen wurde übernommen und um drei Audiokommentare (u.a. von Chris Carter) ergänzt. Kleiner Wermutstropfen ist der etwas zu tiefe Ton bei einigen Episoden, die seinerzeit auf VHS veröffentlicht wurden. Alles in allem ein gelungenes Upgrade für Besitzer der DVD und ein idealer Einstieg für neue Fans.

 

Blu-Ray Packshot-Cover und Bilder © und Eigentum von 20th Century Fox Home Entertainment.

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