KRITIK: AKTE X – SEASON 11 (DVD)

© 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment
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Autor: Dominik Starck

„I want to believe“ (dt. „Ich möchte glauben“) ist der ewige Leitsatz der Kultserie AKTE X, doch anders als es dieser positive Ansatz impliziert stieß die Rückkehr der Serie nach 14 Jahren Pause 2016 nicht nur auf Vorfreude, sondern auch Unverständnis und Misstrauen. Rückblickend muss man Serienschöpfer Chris Carter zugestehen, seiner Zeit erneut voraus gewesen zu sein. Zurückkehrende Serien mit der Originalbesetzung und auch späte Fortsetzungen alter Filmklassiker sind heute keine Seltenheit mehr, sondern das Nachfolgephänomen zu Remakes und Reboots. Anstatt bekannte Titel neu zu verfilmen setzt man auf gealterte Serienlieblinge und bedient damit nicht nur Markennamen, sondern auch Nostalgie. AKTE X bietet praktischerweise beides im Paket. Aus der limitierten Rückkehr wurde daher trotz gemischter Kritikerstimmen ebenfalls eine (kleine) Erfolgsgeschichte, denn schnell zog eine 11. Staffel am Horizont auf. 25 Jahre nachdem die Serie zum bahnbrechenden Phänomen der Popkultur wurde geht es nun im Heimkino in die vermutlich letzte Runde. Wird die Wahrheit darin endlich enthüllt- und wenn ja, welche Wahrheit ist dies dann?

Zum Inhalt: Die Experten für über- und unnatürliche Phänomene sind zurück; Fox Mulder (David Duchovny) und Dana Scully (Gillian Anderson) entstauben wieder X-Akten des FBI über UFOs, Verschwörungen und geheimnisvolle Phänomene. Haarsträubende Wahrnehmungsstörungen, der Horror moderner Technologien, eine neue globale Verschwörung, telepathische Verbindungen und mehr sorgen für einen stressigen Alltag während die beiden Agenten ihre Beziehung zueinander erforschen und ihren Sohn suchen, der zum Schlüssel für das Schicksal der Menschheit werden könnte…

 

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Gleich zu Beginn dieser Kritik muss eine traurige Wahrheit enthüllt werden (im Übrigen lassen sich kleine Spoiler im Rahmen dieses Artikels nicht gänzlich vermeiden, daher an dieser Stelle eine milde SPOILER-Warnung); die 11. und allem derzeitigen Vernehmen nach auch letzte Staffel hat erschreckend wenig von den heißgeliebten Außerirdischen und/oder UFOs zu bieten, die einst das Salz in der Konspirationssuppe waren. Natürlich, die Mythologie der Serie musste sich wiederholt anpassen, einerseits, weil sich die Autoren beim ursprünglichen Lauf der Serie irgendwann in eine Ecke geschrieben hatten, andererseits, weil sich im letzten Vierteljahrhundert Technik und Gesellschaft gravierend verändert haben. Dass UFOs dabei thematisch den Kürzeren zogen sollte nicht so sehr verwundern wie es vielleicht der Fall ist. Hätte man dies in der Serie nicht adressiert und in den neuen Themen reflektiert, so wäre AKTE X unnötig antiquiert erschienen. Andererseits hat man sich nun dank der Kursänderung manchen Fan-Vorwürfen ausgesetzt, man bekomme zu wenig vom „alten Flair“ geboten. Als Produzent kann man es beim besten Willen nicht Jedem recht machen und wenn die neue Staffel eines vorbildlich liefert, dann starke Szenen mit Mulder und Scully. Vielleicht mit die besten der ganzen Serie. Und das sollte Fans unterm Strich versöhnlicher stimmen als das Beharren auf alten Verschwörungstheorien und fliegenden Untertassen.

 

© 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment
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Doch sehen wir uns die wieder von sechs auf wenigstens 10 Episoden aufgestockte Staffel einmal genauer an. Viele altgediente Recken aus dem Kreativteam der Serie haben jeweils „ihre“ Episode bekommen, in der sie als Autor und Regisseur noch einmal ihre Markenzeichen ausspielen konnten. Insgesamt wird ein bunter Mix aus Verschwörung, Action, Monster-der-Woche-Folgen, bedrohlicher Technologie und vor allem auch Comedy geboten, sodass sich, theoretisch, für jeden Geschmack etwas finden sollte. Staffelauftakt und -Finale greifen die Rahmenhandlung der 10. Staffel wieder auf und erzählen (zusammen mit der Staffelmitte „Ghouli“) die neue übergeordnete Handlung zu Ende. Es sei gleich darauf hingewiesen, dass hierbei einige durchaus streitbare Entscheidungen getroffen wurden, die es einem schwer machen, diese Entwicklung gutzuheißen. Mal eben das apokalyptische Finale der Vorgängerstaffel als simple Vision einer möglichen Zukunft abzuhandeln und damit wieder einmal den „Reset“-Knopf zu drücken, wirkt einfach wie faules Schreiben, als sei dem Kreativteam nichts besseres eingefallen, um die Handlung ordentlich aufzulösen oder weiterzuführen. Statt also dort weiter zu machen, wo man den Zuschauer zurückgelassen hatte, sattelt die neue Staffel eine weitere Verschwörer-Gruppe oben drauf, bringt auch russische Sicherheitskräfte ins Spiel und greift ganz oft in die Fan-Service-Tüte.

 

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Negativ fällt dabei auf –besonders beim Binge-Watching-, dass die Übergänge zwischen den Episoden immer wieder nicht sauber erzählt sind. Da ist Skinner mal plötzlich verschwunden, mal sind Mulder und Scully im regulären FBI-Dienst, mal auf der Flucht… Man kann sich vieles zusammenreimen, doch oftmals müssten zumindest Wochen, wenn nicht gar Monate zwischen den Ereignissen liegen, damit es Sinn ergibt. Schon in der ersten Episode macht durch den Schnitt die parallele Abfolge von Ereignissen zeitlich keinerlei Sinn.

Doch wo Schatten ist, da ist auch Licht. Der zuvor erwähnte Fan-Service hätte leicht zur billigen Nummernrevue verkommen können, ist aber so exzellent geraten, dass er vorbildlich funktioniert. Die Einsamen Schützen bekommen noch einmal ihr Rampenlicht, Skinner, in der vorherigen Staffel sträflich ignoriert, bekommt einen eigenen Handlungsbogen (und eine eigene Episode) und auch der Raucher bekommt noch einen ordentlichen Anteil an der Handlung. Es kommt zu zwei sehr überraschenden Auftritten früherer wiederkehrender Charaktere und natürlich nimmt William, das wundersame und fortgegebene Kind von Mulder und Scully, einigen Platz ein (zumindest thematisch).

 

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Ein besonderer Höhepunkt ganz anderer Geschmacksrichtung ist mit Sicherheit „Der Mandela-Effekt“, die Komödienperle dieser Staffel. Im Grunde schreibt man hier einen Teil der AKTE X-Geschichte neu, verweist auf Genreklassiker wie die TWILIGHT ZONE, übt massive Kritik an heutiger Berichterstattung sowie „Fake News“ und verbindet all das noch mit einem interessanten Phänomen für all jene, denen ein einfaches Deja vu nicht komplex genug ist.

Am Ende kann die Staffel nicht ganz die Magie der ursprünglichen Serie einfangen, doch das ist schon den späteren Staffeln dieser Serien-Epoche nicht mehr vollends geglückt. Im Ganzen muss man aber auch attestieren, dass 25 Jahre, 11 Staffeln mit über 200 Episoden und zwei Kinofilmen sowie zwei Serienableger (DIE EINSAMEN SCHÜTZEN und MILLENNIUM) ein überwältigendes Erbe und Gesamtpaket darstellen, wie es selten in der Popkultur anzutreffen ist. Die großen Science-Fiction-Epen wie STAR TREK oder DOCTOR WHO gehören zu den wenigen anderen Auserwählten. Und wer weiß, ob nicht auch AKTE X noch weitere Leben vergönnt sind, die wir heute noch gar nicht absehen können?

Das Finale der Serie, sollte es das denn nun gewesen sein, ist einerseits typisch für AKTE X und lässt Hintertüren offen, schließt aber die großen Tore und man ist fast gewillt in Harmonie Abschied von Mulder und Scully zu nehmen. Lassen wir sie in Würde ihre Abenteuer in den Grenzregionen der Mystery ad acta legen, solange noch ein kleiner Funken der Wahrheit dort draußen verborgen ist.

 

Akte X - Season 11 - Bewertung

 

Die DVD-Präsentation bietet die Episoden mit einer Gesamtlaufzeit von 437 Minuten auf drei Discs in gutem 16:9-Bild. Die deutsche Synchronspur muss, wie bereits in Staffel 10, Sprecherwechsel bei Mulder und Direktor Skinner verkraften, geht ansonsten aber vollkommen in Ordnung. Deutsch wie Englisch sind in DD 5.1 enthalten, in beiden Sprachen gibt es Untertitel. Das Bonusmaterial umfasst zwei Audiokommentare (u.a. zur letzten Episode „Der Kampf IV“), ein „Spaß am Set“-Video sowie drei Featuretten („Nachhaltige Produktion“ zum Recycling am Set, „Konversation auf dem Fox-Gelände“ zwischen David Duchovny und Gillian Anderson und „Der Scully-Effekt“ darüber, wie die Rolle der Scully die Rolle der Frau in Fernsehen und auch wissenschaftlichen und kriminologischen Bereichen verändert hat).

 

Auf Blu-ray finden sich zusätzlich die Featuretten „Auf der Suche nach dem X: Die Entstehung der Season 11“ und „Implantierte Erinnerungen: 25 Jahre Akte X“.

 

Dieser Rezension lagen DVD-Presse-Screener zugrunde.

 

DVD-Cover und Bilder © und Eigentum von 20th Century Fox Home Entertainment.

 

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