KRITIK – THE BOY

© Capelight Pictures
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Autor: Kevin Zindler

Horrorfilme in denen Puppen das Kinopublikum zum Erschaudern  bringen, gibt es mittlerweile zuhauf. Sei es die legendäre „Chucky“ Reihe, „Puppet Master“ oder zuletzt der „Conjuring“ Ableger „Annabelle“. Viele von diesen Produktionen schaffen es, mit einfachen Mitteln den Konsumenten in ihren Bann zu ziehen. Sie faszinieren, sind furchteinflößend und unterhalten gleichermaßen, was die meist überaus profitablen Einspielergebnisse belegen. In einigen Filmen greifen diese Puppen aktiv ins Geschehen ein, in dem sie handgreiflich werden und versuchen, ihre Opfer ins Jenseits zu befördern. In anderen Streifen wiederum, dienen sie nur als Schreckgespenst, welches immer wieder in Großaufnahme gezeigt wird, ohne dass irgendetwas geschieht. In dem Fall entscheiden dann gut getimte Kleinigkeiten – wie zum Beispiel eine plötzlich geänderte Sitz-Position der Puppe – den Gänsehautfaktor. Je mehr Fantasie der Zuschauer aufbringt, desto höher die Intensität einzelner Szenen Brahms (The Boy) gehört der „macht mir Angst Puppe“ Fraktion an und ist kein Mitglied  messerschwingender Slasher-Figuren. Das macht die 10 Millionen Dollar Produktion – welche weltweit rund 65 Millionen Dollar wieder eingespielt hat – aber nicht zu einem weniger unterhaltsamen Genre-Beitrag…im Gegenteil!

Zum Filminhalt: Gemeinsam mit Greta („The Walking Dead“-Star Lauren Cohan) erleben wir die Fahrt zum abgelegenen Anwesen der Heelshires die eine Kinderfrau für ihren achtjährigen Sohn suchen. Nach der Ankunft muss die Amerikanerin allerdings erschrocken feststellen, dass sie nicht auf einen Jungen aufpassen soll, sondern auf eine lebensgroße Puppe, die von den Hausherren wie ein echtes Kind umsorgt wird. Brahms liebt Musik, muss gefüttert und mit einem Gutenachtkuss ins Bett gebracht werden. Andernfalls könnte der Porzellanknirps ein unangenehmes Verhalten an den Tag legen. Das zumindest geben die Heelshires der neuen Nanny mit auf den Weg, bevor sie zu einem längst überfälligen Urlaub aufbrechen. Nach anfänglicher Irritation erlebt die attraktive junge Frau eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die sie an den Rand des Wahnsinns führt. Denn nachdem sie mutterseelenallein im hochherrschaftlichen Haus zurückbleibt, mehren sich die Zeichen, dass der Porzellanjunge ein unheimliches Eigenleben entwickelt, wenn man den mit seinen Eltern abgesprochenen Regelkatalog nicht befolgt. Inwiefern der gewalttätige Ex-Freund oder der fast zu charmante Lebensmittellieferant (Rupert Evans) dabei ihre Finger im perfiden Spiel haben, gilt es zu klären.

 

© Capelight Pictures
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Zugegeben, das Skript ist voller Klischees und Regisseur William Brent Bell („Stay Alive“) versucht gar nicht erst, das Horrorpuppen-Genre neu zu erfinden. Doch das Motto, lieber altbewährtes gut zu kopieren, als schlecht etwas Neues zu erfinden, funktioniert bestens. Die Atmosphäre ist großartig, der limitierte Cast – insbesondere die attraktive Lauren Cohan – spielen hervorragend und selbst der behäbige Anfang ist durch den merkwürdigen Umstand, ein Kindermädchen für das Aufpassen auf eine Puppe zu bezahlen (man ist geneigt, die ganze Zeit den Kopf zu schütteln), sehr interessant. Die Grundkonstellation ist – positiv ausgedrückt – überaus klassisch, entwickelt aber trotzdem eine erstaunliche Anziehungskraft. Man möchte zu gern wissen, was es mit der Puppe auf sich hat. Ist das Geheimnis mystischer Natur, oder stecken irdische Antworten dahinter? Ist Brahms Geist doch in der Puppe, oder entpuppt sich alles nur als großer Schwindel?

Das große Plus von THE BOY ist, dass er gänzlich ohne hektische Bilder, wenig Blut und CGI Krimskrams auskommt, sondern sich wie ein Gruselfilm der guten alten Zeit anfühlt. Dennoch ist die FSK-12 Freigabe recht grenzwertig. Trotz mangelnder Schock-Effekte lädt allein die beeindruckende Kulisse des Herrenhauses zum Gruseln ein. Wenn man nicht allzu viele Spekulationen über den Verlauf der Geschichte anstellt, könnte gar der Twist für den einen oder anderen recht überraschend kommen, da er die Geschichte in eine Richtung lenkt, die man womöglich vorab gar nicht auf dem Zettel hatte. Die „ruhigen“ ersten zwei Drittel werden zum Ende hin komplett auf den Kopf gestellt.

 

The Boy - Bewertung

Ab 23. Juni 2016 auf DVD und Blu-Ray erhältlich!

DVD-Cover & Bilder © und Eigentum von Capelight Pictures / Koch Media Home Entertainment

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