KRITIK – JOHN WICK: KAPITEL 2 (WÄHLT WAHRLICH WEISE WEITERE WIRKUNGSVOLLE WAFFEN: WUNDERBARE WICK-WELTEN)

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Autor: Dominik Starck

Eine tote Ehefrau ist hart. Ein ermordeter Hund ist nicht zu verkraften- und nicht zu verzeihen. Rache dafür endet nicht mit dem Tod des Verantwortlichen, denn wer den „Schwarzen Mann“ einmal beschworen hat, der wird ihn so schnell nicht wieder los. John Wick arbeitet wieder. Und sein Geschäft ist ungebrochen totbringend für alle jene, die dem legendären Profikiller in den Weg kommen. Zur allgemeinen Überraschung hat MATRIX-Star Keanu Reeves als „John Wick“ offensichtlich einen weiteren großen Franchise an der Hand- und KAPITEL 2 im WickVersum lässt -trotz Schwächen- MATRIX RELOADED wie einen schlechten Traum erscheinen. Endlich.

Zum Inhalt: Dem verwitweten Profikiller John Wick (Keanu Reeves) ist keine Ruhe vergönnt. Kaum hat er blutige Rache für den Tod seines Hundes genommen gilt es, seinen geliebten Wagen wiederzubeschaffen und infolge todbringender Gewaltanwendung gegen eine ganze Organisation selbigen direkt zu schrotten. Nun endlich ist Zeit für die Frührente mit neuem besten Freund auf vier Pfoten- bis Santino D’Antonio (Riccardo Scamarcio) mit einer Schuldmünze vor der Tür steht, die Wick nach den Regeln ihrer Profession zwingend an sein Versprechen bindet, Santino dienlich zu sein. Der will einen Sitz im Rat der internationalen Killervereinigung und ist gewillt, dafür über Leichen zu gehen. Genau genommen ist er bereit, Wick über die Leiche von Santinos eigener Schwester gehen zu lassen. Widerwillig reist John nach Rom, um bleihaltig an seinem Ruhestand zu arbeiten…

 

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WÄHLT WAHRLICH WEISE WEITERE WIRKUNGSVOLLE WAFFEN: WUNDERBARE WICK-WELTEN

Schauspieler Keanu Reeves wird oft mit seiner -sagen wir mal vorsichtig- limitierten Mimik aufgezogen. So brauchte es in der Vergangenheit Filme und Reihen, die damit arbeiten konnten. Doch wer dachte, dass die MATRIX-Trilogie wie für Reeves gemacht war, der hat JOHN WICK so wenig kommen sehen wie die Kugel eines Scharfschützen aus einem Kilometer Entfernung.

JOHN WICK erwies sich 2014 als Überraschungs-Hit, den man in diesem Ausmaß sicher kaum erwarten konnte. Ein stilisierter Profikiller-Thriller, der wie die Fleischwerdung eines Graphic Novel wirkt, den es nie gegeben hat. So stylisch-cool war vielleicht SIN CITY mal- und JOHN WICK hat dazu bessere Action und Dialoge. Der legendäre Killer Wick hatte sich längst zur Ruhe gesetzt und selbst als seine Frau starb fiel er nicht in alte Muster zurück. Als man ihm dann den Hund nahm, der die letzte lebende Bindung (außer ihm selbst natürlich) an seine Frau war, gab es kein Halten mehr und das organisierte Verbrechen starb wie beim erneuten Ausbruch der Pest. Beeindruckende Kampf-Choreographien und ein Reeves, der für diese Rolle geboren wurde, ließen selbst solche Kritiker verstummen, die bei CGI-Blut und dürftiger Motivation des Protagonisten gerne elitär die Nase rümpfen.

 

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Die Fortsetzung war im Grunde eine schnell sichere Angelegenheit, allerdings ergab sich hinter den Kulissen eine öffentlich kaum bemerkte und doch signifikante Änderung, da sich das aus dem Stunt-Geschäft kommende Regie-Duo, welches den ersten Film zum Hit gemacht hatte, aufteilte. Während Chad Stahelski bei KAPITEL 2 die Patronengurte in der Hand behielt machte sich David Leitch zu seinem eigenen Regie-Projekt auf; ATOMIC BLONDE, ein (Überraschung!) Actionthriller mit starken Action-Choreografien, in dem eine coole Charlize Theron das Berlin der 80er Jahre in langen, ununterbrochenen Aufnahmen unsicher macht. Da Autor Derek Kolstad dem Wick-Universum genauso treu blieb wie Reeves in der Titelrolle und zudem auch Wegbegleiter wie DEADWOOD-Gold Ian McShane als Continental-Besitzer Winston und Lance Reddick (FRINGE) als Concierge Charon zurückkehrten, ergibt sich trotz geänderter Regie keinerlei Stilbruch zwischen den Filmen, die problemlos ein gemeinsames großes Ganzes ergeben.

Für frisches Blut (buchstäblich) sorgen u.a. Common (frisch zurück aus dem Wilden Westen von HELL ON WHEELS) und Ruby Rose aus xXx: RETURN OF XANDER CAGE. Wo Fans aber mit der Zunge schnalzen können, ist, wenn Laurence Fishburne die Bühne betritt und eine neue Gruppe ihm untergebene Assassinen in den Mix wirft. Es ist das erste Leinwand-Aufeinandertreffen von Reeves und Fishburne seit ihrem gemeinsamen Riesenerfolg mit der MATRIX-Trilogie und beinahe wünscht man sich, dass die Beiden wieder über rote und blaue Pillen zu philosophieren beginnen.

 

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Aber wie ist denn nun der zweite Teil der mindestens dreiteiligen Geschichte des John Wick? Er beginnt mitten im Geschehen, nur kurz nach den Ereignissen des ersten Films, was ein gern gesehener und viel zu selten genutzter dramaturgischer Kniff ist. Die erste lange Actionsequenz, in welcher Wick seinen maskulinen Wagen als Waffe gegen die Mannschaft von Peter Stormare (PRISON BREAK) einsetzt, ist spektakulär und lässt selbst Quentin Tarantinos DEATH PROOF in dieser Angelegenheit alt aussehen.

Im weiteren Verlauf werden die Schattenwelt der Assassinen, ihre Gesetze und Gebote sowie ihre Spieler weiter vertieft und in regelmäßigen Abständen gibt es tödliche Projektile durch teure Anzüge. Bezüglich der Erzählgeschwindigkeit und des Spannungsbogens zeigen sich dann allerdings vor allem im Mittelteil Mängel. Wenn man Wick im Einsatz in Rom zeigt und ihn von Vorbereitung bis Ausführung samt Rückzug komplett begleitet, dann ist das zwar bis zu einem gewissen Punkt interessant zu verfolgen, jedoch ohne Spannung, wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht. Hier werden unnötig Punkte verschenkt und ob der Ehrenkodex der Killergesellschaft ein besserer Grund zur Rückkehr ins Gewerbe ist als der Verlust der Frau sei auch mal dahingestellt (nein, Hunde sind etwas anderes).

In diesen Mittelteil fällt dann auch bald die neue Nebenhandlung rund um Fishburne, der damit unglücklicherweise ähnlich in die Geschichte gequetscht wirkt, wie einst bei seinem Auftritt in Nimrod Antals PREDATORS. Er ist aber nicht das einzige Opfer auf der Liste vielversprechender neuer Figuren, aus denen nicht das Optimum herausgeholt wurde. Ähnliches gilt auch für Gegenspielerin Ares (Rose), die als stummer weiblicher Killer mit coolem Look Potential hatte, welches einfach nicht abgerufen wurde, da sie keinen glaubwürdigen Konterpart darstellt, wie es im ersten Teil noch Daniel Bernhardt (THE MATRIX RELOADED) quasi im Vorrübergehen gelang. Immerhin bekommt Common einen passablen, zu ihm passenden Part zugestanden. Gerade die bereits genannten Rückkehrer aus dem ersten Film wissen ebenfalls zu punkten (wobei John Leguizamo eher einen Cameo hinlegt) und Stormare als Schurken im Intro zu haben ist ohnehin Gold wert.

 

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Wem all das jetzt zu verhalten klingt, der sei beruhigt; JOHN WICK: KAPITEL 2 macht, was eine gute Fortsetzung tun sollte. Die Risiken werden erhöht, die Mythologien vertieft, die Action ist hart und ausgefallen und trotz einiger Wiederholungen (hier sei leider noch einmal auf die schön fotografierte Sequenz mit Wicks Anschlag in Rom ins Scheinwerferlicht gezerrt) bleibt sie dem ersten Film mindestens ebenbürtig. Gerade im zweiten Akt zeigen sich Schwächen und irgendwann muss man einfach zugestehen, dass wir uns längst in einer überzeichneten Fantasiewelt befinden, in der es augenscheinlich mehr organisierte Killer als normale Menschen gibt. Aber das bedrückende und filmisch starke Ende des Filmes reißt alles raus, packt den Zuschauer noch einmal an der Gurgel und drückt zu, bis er zugibt, dass er das dritte Kapitel der Geschichte nicht erwarten kann.

An dieser Stelle ein Glückwunsch an Keanu Reeves, dessen Verhältnis zu Fortsetzungen ebenso wechselhaft war wie zu Regie-Duos. Die beiden Abenteuer von BILL & TED gerieten zum Kult, aus SPEED stieg er zur Fortsetzung aus (zum Glück oder Pech, wer, außer Willem Dafoe, weiß das schon zu sagen?) und der MATRIX blieb er für die Wachowski-Geschwister bis zum bitteren Ende treu, auch wenn es nach dem ersten Film gereicht hätte. Und nun? Schaut Reeves bei Kumpel Stormare in dessen Serie SWEDISH DICKS vorbei und bereitet sich mental wie physisch auf das mögliche Endspiel von John Wick vor, während bereits eine TV-Serie über das „Continental“ im Gespräch ist. Mit wahrscheinlichem Gastauftritt von Mr. Wick. Trotz Dürreperiode alles richtiggemacht, Keanu.

 

John Wick 2 - Bewertung

 


 

Zur Blu-Ray: Kam der erste JOHN WICK noch bei StudioCanal heraus präsentiert Concorde Home Entertainment das 2. Kapitel in vier verschiedenen Heimkino-Varianten: DVD, Blu-ray, Blu-ray im schicken, limitierten Steelbook mit „Vector-Art“-Design und 4K UHD.

Die vorliegende Blu-ray-Version punktet mit makellosem Bild und deftigem Ton (neben DTS-HDMA 7.1-Sound gibt es auch noch Dolby Atmos in Englisch), Untertitel für Hörgeschädigte werden ebenfalls geboten und als weitere Tonspur ist ein Audiokommentar von Reeves und Regisseur Stahelski an Bord.

Die Video-Extras fokussieren sich wenig überraschend aber ausführlich und unterhaltsam in 10 Featurettes mit rd. 60 Minuten Laufzeit auf die Action, das Training und auch das wachsende WickVersum. Ebenfalls dabei ist der witzige Kurzfilm „Wicks Hund“, der rund um den Kinostart bereits im Internet für Furore sorgte. Eine Reihe verschiedener Trailer zum Film und weiteren Titeln aus dem Hause Concorde runden das Bild ab. Insgesamt umfasst die technisch tadellose Edition rd. 72 Minuten Bonusmaterial in allen Ausprägungen, ausgenommen die DVD mit 9 Minuten.

 

Ab 27. Juni 2017 auf DVD, Blu-ray und VOD erhältlich!

Blu-Ray-Cover & Bilder © Concorde Home Entertainment.

 

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