KRITIK – QUANTICO – STAFFEL 1

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Autor: Marcel Flock

Serien über die Arbeit beim FBI gibt es wie Sand am Meer, sei es „Criminal Minds“, die erst kürzlich etablierte Serie „Blindspot“ oder „White Collar“. Überall steht die Behörde, die sich um die innere Sicherheit des Landes kümmert, im Mittelpunkt. In „Quantico“ nun legt Serienschöpfer Joshua Safran den Fokus auf die Ausbildung der späteren Agenten. Genauer gesagt: auf die Ausbildungseinrichtung Quantico, die gleichzeitig auch der Namensgeber ist. Doch Safran geht noch weiter, indem er den Fokus sowohl auf die Vergangenheit, die Ausbildung sowie die Gegenwart, ein verherrender Anschlag und ein Täter innerhalb des FBIs, sowie auf eine Agentin als Protagonistin legt, die inmitten der Trümmer ohne Erinnerung aufwacht und Stück für Stück, indem sie ihre Vergangenheit rekonstruiert, herausfinden muss, wer der eigentliche Täter ist und warum sie zum Sündenbock gemacht würde. Böse Zungen würden wahrscheinlich spätestens jetzt behaupten, dass Safran zu viele Robert-Ludlum-Bücher (Autor der Jason-Bourne-Reihe) gelesen hat, bloß statt CIA nun FBI.

 

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Ehrlich gesagt: Der Ansatz ist gut und gerade die Folgen, bei denen Safran das Drehbuch verfasst hat, nutzen das Meiste ihres Potentials und bannen die Zuschauer mit einem sehr raffinierten Katz-und-Maus-Spiel, bei dem der nächste Twist schon im Dunkeln hinter der Ecke lauert. Fragen kommen selten auf, da zu viel ausbuchstabiert wird, was einerseits interessant ist, um den Tathergang zu analysieren, z.B. den Trainees zuzusehen, wie diese verschiedene Techniken zum Vereiteln des Verbrechens erlernen durch beispielweise Backgroundchecks, ohne Pass über die Grenze zu kommen, Human Intelligence etc., allerdings bei 22 Folgen die Gefahr besteht, in wiederholende Muster zu geraten, beziehungsweise dies alles durch Vergangenheitsbewältigung, interne Beziehungskisten, überspitzte Paranoia seifenopermäßig in die Länge zu ziehen, was wiederum zur Folge hat, dass das anfänglich spannende Konzeptpotential irgendwann zur Bedeutungslosigkeit verkommt und auf Dauer dem Erwartungsdruck nicht standhalten kann.

 

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Auch setzt sich der Trend, blutjunge, bildhübsche, klischeehafte Mädels als knallharte, toughe Agents in Szene zu setzen, die sich in der Männerwelt durchsetzen müssen, weiterhin fort. Einerseits entsteht dadurch eine unfreiwillige Komik, bestes Beispiel ist Shelby Wyatt, die im früheren Leben Covermodel war und bierernst in Szene gesetzt wird. Andererseits langweilt und ermüdet dieser Trend langsam aber sicher, da die Anwendung schon im alltäglichen Leben stattfindet. Dennoch sticht im Vergleich zum aktuellen Kanon „Quantico“ gerade durch die sehr aufdringlich plakative, multikulturelle, feministische Ader positiv hervor, da sich hier im Verlauf Seiten und Fähigkeiten der Mädels offenbaren, mit denen man so nicht gerechnet hat, gerade das genannte Beispiel Wyatt alias Johanna Braddy macht eine enorme Entwicklung hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsveränderung durch, und auch die angeschnittenen Themen wie Korruption und Vertuschung sind nicht von der Hand zu weisen.


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