KRITIK – AKTE X – STAFFEL 10 (BLU-RAY)

© 20th Century Fox Home Entertainment
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Autor: Dominik Starck

Wird eine Fernsehserie 14 Jahre nach ihrem einstigen Ende noch einmal mit neuen Episoden fortgesetzt, dann darf man das ruhig als Ausnahmeerscheinung bezeichnen. AKTE X ist so eine Ausnahme. In den 1990er Jahren beschäftigten DIE UNHEIMLICHEN FÄLLE DES FBI Heerscharen an Fans, sei es mit zum Miträtseln einladenden UFO-Verschwörungen oder mit grausigen „Monster der Woche“-Geschichten. Die FBI-Agenten Mulder und Scully waren nicht nur für Übernatürliches auf der Mattscheibe sondern auch gute Quoten sowie Berge an Merchandising samt Fan-Kult verantwortlich.

Die meisten langjährigen Fans gingen mit den letzten Staffeln der Serie hart ins Gericht, dem später folgenden (bereits zweiten) Kinofilm war kein großer kommerzieller Erfolg beschieden. Und dennoch war AKTE X in den Köpfen der Senderchefs und den Herzen der Fans nicht tot zu kriegen. Schließlich bekam eine sehr späte 10. Staffel (quasi die Staffel X) „grünes Licht“. Doch wie passen die X-Akten in die heutige Zeit?

Inhalt:

Jahre sind vergangen, seit Fox Mulder (David Duchovny) und Dr. Dana Scully (Gillian Anderson) UFOs, Verschwörern und geheimnisvollen Phänomenen mit Taschenlampen und Dienstmarken hinterher rannten. Immer auf der Suche nach der Wahrheit zwischen all den Lügen der Machthabenden und Ungläubigen. Lange ist es her, dass sie sich als Partner beim FBI und Partner im Leben dem Unbekannten stellten. Eine vermeintlich von Außerirdischen entführte junge Frau und ein Sensationsreporter rufen Mulder und Scully wieder auf den Plan- und die Bedrohung ist größer als jemals zuvor!

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Mancher hat schon lange nicht mehr gewagt an eine Fortsetzung von AKTE X zu glauben. Wenn, dann hätte sich im Jahr 2012 ein dritter Kinofilm angeboten, da dieses Datum in den letzten Tagen der Serie von immer größerer Bedeutung wurde. 2012 verstrich ereignislos, die Hauptdarsteller David Duchovney und Gillian Anderson waren beide mit eigenen Film- und Serienprojekten gut ausgelastet und von Serien-Guru Chris Carter hörte man auch kaum etwas Neues. Er brachte zwar einen anderen Serienpiloten mit auf die Welt, äußerte, dass er eine Geschichte für einen dritten Film habe und fand auch öffentlich die Idee reizvoll, seine zweite Serienschöpfung MILLENNIUM noch einmal aufleben zu lassen. Das alles brachte aber keine greifbaren Fakten für X-Fans.

Doch dann ging alles ganz schnell. Sender FOX wollte auf den Nostalgie-Zug aufspringen und alte Lizenzen noch einmal neu vermarkten. Da war es dann nur noch eine Frage von Vertragsverhandlungen und Zeitplänen. Es vergingen nur Monate von der ersten Ankündigung und öffentlichen Bestätigung bis die neuen Episoden abgedreht waren.

© 20th Century Fox Home Entertainment
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Die Rückkehr nach so langer Abwesenheit brachte ihre Stolpersteine mit sich. Selbstverständlich waren die Hauptdarsteller gealtert, das Serienende hatte die Mythologie von AKTE X in eine Bahn gelenkt, die den Fans nicht schmeckte und auch mit den Ereignissen des bereits Jahre zurück liegenden zweiten Filmes musste man sich befassen. Auch die Welt und Fernsehzuschauer hatten sich verändert und mit ihnen Sehgewohnheiten und thematische Interessen. Nicht zuletzt die Welt nach 9/11 und seit der Übernahme durch das Internet haben Verschwörungstheoretiker ganz andere Möglichkeiten aber auch gänzlich andere Fallstricke zu meistern. Die Welt ist nicht nur furchtsamer sondern auch kleiner geworden- dabei aber paranoider als jemals zuvor.

Chris Carter versammelte nicht nur die beiden Haupt- und zahlreiche Nebendarsteller wieder vor der Kamera sondern brachte auch hinter den Kulissen so viele alte Wegbegleiter wie möglich zurück (oder inzwischen deren Kinder). Bei den Geschichten nahm man sich einen Querschnitt durch die Themen der ganzen Serie vor und verpasste diesen einen zeitgenössischen Anstrich. So sollten sich die Episoden gleichzeitig frisch und auf der aktuellen Höhe der Zeit und Wissenschaft präsentieren und gleichzeitig genug vertraute Eckpunkte bieten, welche Fans das „Zuhause“-Gefühl beschert. Eine schwere Gratwanderung, die nicht bei allen Episoden gleich gut funktioniert.

© 20th Century Fox Home Entertainment
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Unabhängig von der persönlichen Meinung zu den verschiedenen Geschichten ist positiv anzumerken, dass man wirklich versucht hat, die Serie auf interessante Weise an einer konsequent weiter gedachten Geschichte abzuholen. Dass man dabei einmal mehr mit viel von der alten Mythologie aufräumt mag manchen Fan ärgern, ist aber der dringend notwendige Befreiungsschlag, um einer neuen Generation Zuschauern einen Zugang zu ermöglichen und gleichzeitig einige Ungereimtheiten der Serie von einst aufzuräumen.

So wird die 10. Staffel der „Mutter aller Mystery“ zwar nicht immer ganz dem eigenen Anspruch gerecht und hätte trotz der langen Abstinenz noch ein wenig mehr Vorbereitungszeit vertragen, ist aber trotzdem eine gelungene Rückkehr und Fortsetzung für alte Fans und potentielle neue Mystery-Jünger. Denn eines ist sicher: die Wahrheit ist immer noch irgendwo da draußen.

 

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Die Blu-ray-Präsentation bietet die sechs Episoden mit einer Gesamtlaufzeit von 264 Minuten auf zwei Discs in farbintensivem, gestochen scharfem 16:9-Bild.

Bei der deutschen Tonspur in DTS 5.1 muss man sich leider mit neuen Stimmen für Mulder und Direktor Skinner abfinden, grundsätzlich gibt es an der Tonqualität aber nichts auszusetzen. Ein Wendecover ist leider nicht vorhanden, dafür ist das Bonusmaterial exquisit. Drei Audiokommentare (u.a. mit Serienschöpfer Chris Carter und den beiden Hauptdarstellern), zwei entfallene Szenen, ein „Spaß am Set“-Video (9 Min.), die Featuretten „Akte X: eine umweltfreundliche Produktion“ (3 Min.) und „Die wildesten und unheimlichsten Monster der Serie“ (11 Min.) sowie der Preis-gekrönte Kurzfilm „Grace“ von Script Koordinatorin Karen Nielsen (10 Min.) sind schon sehenswert und stattlich. Getoppt wird das Paket aber von den beiden langen Dokumentationen: „43:45 – Making of der Season 10“ geht 54 Min. lang ausführlich auf die Produktion der Staffel, vor allem aber der ersten Folge „Der Kampf“ ein, während „Season X“ 83 Min. lang die Rückkehr eines Popphänomens sowie den kompletten Produktionsprozess beleuchtet. Das Ganze ist in mehrere thematische Segmente unterteilt, die man sowohl einzeln als auch als Gesamtdokumentation am Stück ansehen kann. Alleine diese beiden Dokumentationen bieten jedem nur halbwegs an der Herstellung interessierten Zuschauer schon einen ausreichenden Mehrwert, um diese vorbildliche Serienstaffel-VÖ ins heimische Regal zu holen.

 

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