„INTERIMERE“ SPECIAL – TEIL 3 – INTERVIEW: RENE ZHANG & ROMINA SCHADE

Rene Zhang & Romina Schade Bild
 

Autor: Dominik Starck

Dominik Starck (DS): Mit „Interimere“ hast du als Autor und Regisseur einen neuen Kurzfilm abgeliefert, der Horror und Thriller mit Retro-Feeling vereint. Wie entstand die Idee zu diesem Projekt und speziell dieser Geschichte?

Rene Zhang (RZ): Alles begann mit Matthias Schmidt, der ein neues Reel für seine Figur „Moloch“ haben wollte. Ihn aber einfach nur durch den Wald rennen zu lassen war mir nicht genug. Ich wollte seine Figur filmisch in einen Look und eine Zeit setzen, die zu ihm und seinen favorisierten Filmen passt. Es war mir wichtig den Moloch dosiert auftreten zu lassen und ihn mit guten Schauspielern zu Partnern die eine spannende Bühne für ihn schaffen.

Filmemacherin und Co-Autorin Romina Schade hat mir dann dabei geholfen eine packende Geschichte zu entwickeln.

 

Romina Schade (RS): Als Rene mit der Idee für „Interimere“ an mich herantrat und mit fragte ob ich Interesse hätte das Drehbuch gemeinsam mit ihm zu entwickeln, war ich sofort Feuer und Flamme. Wir haben während des kompletten Prozesses vom ersten Treatment bis zum fertigen Drehbuch Hand in Hand zusammenarbeitet und konzipiert.

 

 

DS: In der Umsetzung zeigt der Kurzfilm sich als detailorientierte Hommage an das Horror- und Thriller-Genre der 1980er Jahre. War das von Anfang an geplant und was sind deine stilistischen Vorbilder aus dieser Epoche?

RZ: Wir haben es von Anfang an als Hommage geplant, da der Moloch Charakter für mich definitiv in die Hochzeit des Slashers gehört. Matthias nannte mir als große Inspiration Michael Myers und so wollte ich “look and feel” an den ersten „Halloween“ und die anderen Klassiker dieser Epoche anlehnen. Vom Lichtdesign, Colorgrading, Musik und der Erschaffung eines Charakters wie „Pretty“ Jack, waren Ikonen wie Jeffrey Combs, Catriona MacColl, Michael Myers oder Leatherface definitiv große Vorbilder. Von der Musik her hat es Komponist Julian Kantus geschafft den Soundtrack Retro, aber trotzdem sehr kraftvoll und frisch klingen zu lassen. Einflüsse hierfür waren definitiv Carpenter oder Harry Manfredini. Obwohl er was ganz eigenes ist. So wie die Mischung aus Thriller und Horror was ganz eigenes ist, aber auf bekannte Elemente setzt.

 

 

DS: Die Drehzeit war mit gerade einmal 1,5 Tagen recht kurz. Was erwies sich dabei als größte Herausforderung?

RZ: „Interimere“ war bis dato der schwierigste Dreh für mein Team und mich. Wir haben einen Tag lang, fast 18 Stunden gedreht und ca. 45 Einstellungen verwirklicht. Es ist sehr erfahrenen und eingespielten Crew-Mitgliedern wie Robert „Pixeldieb“ Bogs zu verdanken dass der Film trotz des Zeitdrucks aussieht wie er aussieht. Er hat hinter der Kamera und dem Licht wirkliche Wunder gewirkt. Mit der „Büroszene““ in der Pretty Jack das Tonband abhört hat er sich selbst übertroffen und ein stinknormales Wohnzimmer mit drei Lichtern und einem Schminkspiegel in eine wachechtes Film-Noir Setting verwandelt. Die Schauspieler, allen voran Profi Dennis Madaus haben schnell gute Takes geliefert, waren geduldig und kannten ihren Text. Ina Krenzel hat sich, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, als Opfer massakrieren lassen und Maya Klein ist mit ihrer tollen Stimme und ihrem Look eine tolle Entdeckung fürs Genre. Nicht zuletzt war alles durch mein Produzenten-Team Sebastian Sewczyk und Nina Leidiger geplant und auch Matthias hat viel vorbereitet und organisiert. Am Ende des Tages hatte ich es oft Romina zu verdanken nicht den Überblick zu verlieren und die Shotlist konzentriert abzuarbeiten. Manchmal war es dann doch angespannt am Set, aber das Ergebnis macht alle sehr Stolz.

 

RS: Die meisten Herausforderungen ergaben sich einfach aus dem geringen Zeitfenster in dem der Dreh verwirklicht werden sollte heraus. Trotz dem ein Großteil der Einstellungen drinnen stattfand, darf man den zeitlichen Aufwand von Lichtumbauten und komplexen Kameraeinstellungen nicht unterschätzen. Ich kann von Glück sagen mich auf ein so eingespieltes Team berufen zu können, ohne das ein solcher Drehtag niemals realisierbar gewesen wäre.

 

 

DS: Beim Dreh habt ihr mit einem gemischten Team alter Bekannter und Profis aber auch weniger erfahrener Newcomer gearbeitet. Wie waren die unterschiedlichen Erfahrungen und wie brachtet ihr diese Mischung unter einen Hut?

RZ: Robert, Romina, Sebastian, Nina und ich sind als Treehauz Media ein sehr eingespieltes Team. Mit Dennis hatte ich schon mal gedreht und Maya war eine absolute Offenbarung. Geduldig, aufmerksam, mit vielen Emotionen und Potential direkt unter der Oberfläche. Das war fantastisch. Bei Matthias hat man gemerkt wie sehr ihm sein Charakter Moloch am Herzen liegt und, dass er wirklich alles getan hat um dieses Projekt möglich zu machen.

Wir haben ein sehr professionell organisiertes Set an dem jeder seine Aufgabe kennt und hatten einige Produktionsmeetings vorab in denen wir neue Teammitglieder gebrieft und integriert haben. So war dann am Drehtag alles klar. Und das war auch bitter nötig, sonst gäbe es den Film heute nicht. Er ist letztendlich viel größer geworden als wir alle dachten.

 

RS: Ich denke an einem Filmset es ist grundsätzlich wichtig eine gute Kombination im Team zu haben, wenn jeder weiß was er tun muss und alles einigermaßen reibungslos abläuft – dann ist es das A und O für einen erfolgreichen Dreh. Alle sollten eine Leidenschaft für das Projekt teilen, dabei kommt es nicht auf Newcomer und Profis an, sondern nur auf das gemeinsame Ziel und den Weg, den das ganze Team geht um dieses zu erreichen.

 

© MMXV Treehauz Media
© MMXV Treehauz Media

DS: Hattet ihr bestimmte Leute für bestimmte Rollen von vorne herein im Kopf; einschließlich dir selbst, Rene?

RZ: Pretty Jack war ein absolutes Dennis Madaus-Vehikel. Ich kannte ihn von den Dreharbeiten zu meinem Langfilm „Gauntlet – Die Hetzjagd“ aus einer Nebenrolle. Hier wollte ich ihn als Hauptrolle besetzen. Und der Plan ist aufgegangen, Dennis ist wirklich fantastisch und verleiht dem Film die nötige emotionale Tiefe. Romina ist ein riesen Dennis-Fan, deshalb hatten wir beim Schreiben seiner Dialoge viel Spaß. Pia, das Mädchen vom Tonband, war nicht so klar was die Besetzung angeht. Ihre Rolle war erst sehr klein angelegt, deswegen haben wir Newcomerin Maya die Chance auf eine Rolle gegeben. Als wir sie dann gesehen und gehört haben, haben wir ihren Part um das Tonband erweitert. Ina wurde von Matthias als „Opfer“ empfohlen. Eine geniale Entscheidung, denn das was er da mit ihr gemacht hat, da muss man schon Bock drauf haben. Ich hatte ständig angst sie verletzt sich, aber sie hatte stets nur im Kopf dass ihre Szenen brutal und realistisch aussehen. Leider ist uns der geplante Darsteller von „Bob“ weggefallen, so dass ich kurzerhand eingesprungen bin. Das war eine tolle Chance für Romina, selber mal an einem Set wie „Interimere“ Regie zu führen. Sonst hätte ich das nicht gemacht. Ich sehe mich selbst nicht als Schauspieler, aber ich denke für Bob hat es gereicht.

 

RS: Wie von Rene bereits erwähnt hatten wir für eine der Hauptrollen von Anfang an Dennis Madaus im Kopf. Mittlerweile würde ich sogar behaupten, dass ich mir schon beim Schreiben des Drehbuchs denken kann wie Dennis einen Dialog sprechen würde. Ich selbst habe auch schon zwei eigene Projekte mit ihm realisiert und wir denken schon an ein Drittes. Was Maya angeht hatte Rene den richtigen Riecher, wir hatten Maya davor beim Casting für eine Rolle in Renes Langfilm „Gauntlet – Die Hetzjagd“ kennengelernt und waren von Anfang an von ihrer Stimme begeistert. Am Set hat sie dann nochmal unter Beweis gestellt, was für eine talentierte Schauspielerin sie ist. Sie hat mich direkt mit ihrer Energie und Motivation für die Rolle begeistert. Ina, die ich bis zum Dreh persönlich noch gar nicht kannte, hat ebenfalls souverän abgeliefert und ihre Rolle so ernst genommen, wie ich es selbst selten zuvor gesehen habe. Zu sagen sie wäre mit Haut und Haaren dabei gewesen, wäre hier keinesfalls untertrieben. Zu guter Letzt, Rene als Bob: Es war eine sehr spontane Entscheidung, aber wenn ich das fertige Produkt jetzt sehe, könnte ich mir niemanden anderen in der Rolle vorstellen.

 

 

DS: Produktion, Autor, Regisseur und Darsteller; du bist, wie bei solchen Projekten nicht unüblich, in zahlreichen Positionen kreativ solchen Projekten nicht unüblich, in zahlreichen Positionen kreativ tätig, Rene. Dasselbe gilt auch für dich, Romina. Welche Tätigkeit gibt Euch die größte persönliche Befriedigung?

RZ: Ich sehe mich persönlich als Filmemacher. Da gehört Stoffentwicklung, Drehbuch, Produktion, Kamera, Regie und Postproduktion für mich einfach zusammen. Wie eben auch manchmal Schauspielern. Ich liebe es aber die Jobs wie bei „Interimere“ dann letztendlich Profis zu überlassen. Unsere Schauspieler sind fantastisch, das Produktionsteam rund um Sebastian unverzichtbar und Robert hinter der Kamera versetzt mich immer ins Staunen. Da konnte ich meine Stärken in Regie und Postproduktion voll ausspielen. Auch Rominas Input war beim Schreiben und am Set sehr wichtig. Am meisten erfüllt es mich wenn ich all diese großen Talente zusammenführen kann und mir dann im Schnitt die Nächte um die Ohren schlage um alles funktionieren zu lassen.

 

RS: Obwohl ich in dieser Produktion als Renes Unterstützung beim Drehbuch und am Set fungiert habe sehe ich mich ähnlich wie Rene als ganzheitliche Filmemacherin. Es gehört einfach zusammen. Ein selbst konzipiertes Drehbuch wegzugeben und von Fremden gefilmt werden zu lassen würde mir persönlich genau so schwer fallen wie fremdes Material zu schneiden. Es ist die Ganzheit die mich so fasziniert – wenn etwas fehlt, fühlt es sich nicht richtig an. Dies ist ein Grund warum ich die Arbeit im Treehauz so liebe, es kommt alles aus einer Hand – und das spürt man auch.

 

 

DS: Wer inspiriert dich als Filmemacher?

RZ: Ridley Scott. Mein favorisierter Film: „Blade Runner“. Ich liebe diesen Film. Sein Licht, sein Stil, seine stille Melancholie, der Grain, der Nebel… alles. Ich bin mit Italo Slashern groß geworden, genauso wie mit Hollywood Schinken wie „Bodyguard“. Mein Herz schlägt für das Kino der 80er/90er. Deswegen ist mir das analoge Gefühl so wichtig, so dass der Film Charakter hat.

 

 

DS: „Interimere“ ist fertig gestellt, feiert nun seine Premiere. Wie geht es mit dem Projekt weiter und betrachtest du es als eigenständiges und abgeschlossenes Werk oder würdest du lieber noch einen Langfilm mit den Figuren, der Geschichte oder einfach in diesem Universum drehen?

RZ: Mit Universum sagst du was. Die Geschichte rund um Pia, ihren Bruder und Jack ist ja wirklich nur angedeutet. Wir haben viele Ideen und Romina und ich eine umfangreiche Backstory entwickelt. Ich würde es schätzen die Chance zu haben „Interimere“ als Langfilm zu drehen, wenn das Publikum da ist. Und zurzeit sieht es schwer danach aus. Die Reaktionen sind fantastisch. Wenn es so weitergeht werde ich „Interimere“ als Langfilm im 80er Stil weiter verfolgen. Das wäre dann richtig cool.

 

RS: Der Film und die Story dahinter haben definitiv ein gewaltiges Potential für einen Langfilm. Dazu kann ich nur sagen: You ain’t seen nothing yet. Bei der positiven Resonanz, die „Interimere“ gerade erfährt wäre es doch spannend mehr über Pia und ihren Bruder Moloch zu erfahren, oder?

 

 

DS: Worauf seid Ihr bei „Interimere“ am meisten stolz und warum sollen die Zuschauer diesen Kurzfilm sehen?

RZ: Am meisten bin ich stolz auf meine Crew und wie man einfach sieht (und hört) wie da jeder über sich hinausgewachsen ist. Ich bin stolz auf das ganze Herzblut was Matthias da reinsteckt und ich denke, dass der Zuschauer von „Interimere“ etwas bekommt was vielen Horrorfilmen heutzutage fehlt. Eine Grindhouse-Experience, ein Nostalgie-Feeling was sich konsequent durchsetzt. Sehr gute Schauspieler und einen genialen Soundtrack. Diese 16 Minuten lohnen sich wenn man sich gerne gruselt und das klassische 80s Slasher Feeling schätzt. 

RS: Wie es meistens nun mal so ist, ist man einfach froh und stolz diese geschriebenen Drehbuchseiten nun in voller Pracht und Farbe sehen zu können. Das Gefühl, bei so etwas großartigem mitzuwirken, erfüllt mich durchweg mit Stolz und Motivation. Wenn die Zuschauer dieses Gefühl mit uns teilen wollen – und dazu noch auf 80er Horror Slasher stehen – sollten sie sich „Interimere“ auf keinen Fall entgehen lassen.

 

 

DS: Was hast du abseits von „Interimere“ als nächstes vor?

RZ: Wir haben eine Menge Festivals und Promotion für „Interimere“ vor uns. Als nächstes wird „Wild Creatures“ veröffentlicht, ein fertiger Kurzfilm der noch in meiner Schublade liegt. Gedreht wird gerade der Langfilm „Gauntlet-Die Hetzjagd“ mit Dennis Madaus und Eugen Feihe, eine Anlehnung an das kompromisslose Actionkino der 80er/90er. Es bleibt also spannend und vor allem „analog“.

 

DS: Vielen Dank für das Gespräch und Euch Beiden weiterhin viel Erfolg.

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