COMIC CON GERMANY 25-26 JUNI, 2016 STUTTGART: EIN EVENT ZWEI MEINUNGEN – EINDRÜCKE DOMINIK STARCK

© Comic Con Germany GmbH
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Autor: Dominik Starck

Stars aus Film und Fernsehen zwischen Comics und Käsespätzle:
Comic Con Germany Stuttgart 2016

Ein Con-Bericht von Dominik Starck (27. Juni 2016)

Die gesellschaftlich ausgegrenzte „Fan-Kultur“ der Vergangenheit ist inzwischen längst im Mainstream angelangt. „Kostümierte Freaks“ sind heute anerkannte Cosplayer oder coole Nerds. Wer Comics liest und bei „The Flash“ oder „Gotham“ auf dem Laufenden ist, die Marvel-Kinofilme lückenlos kennt und „Star Trek“ beziehungsweise „Star Wars“ mag, der ist hipp. Diesem Umstand zollt auch die Messe-Landschaft in Deutschland Tribut. Jahrzehntelang waren die sogenannten Conventions, trotz teilweise stattlicher Größe, eher ein Nischenprodukt, doch derzeit sprießen nun auch „Comic Cons“ aus dem Boden. In Amerika sind sie längst integraler Bestandteil der Popkultur und große Firmen und Studios reißen sich darum, sich und ihre Produkte dort exklusiv einem Kreis treuer Genre-Anhänger zu präsentieren. Die neusten Trailer und viele Stars auf den Bühnen sind Standard und jedes Jahr übertrifft man sich mit Superlativen.

 

© Dominik Starck, Entertainment Blog
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Im „Schwabenländle“ fand nun am Wochenende 25. bis 26. Juni 2016 die erste Comic Con Germany auf dem Messegelände von Stuttgart statt. Dabei wurde in Anlehnung an die US-Comic-Cons nicht gekleckert sondern geklotzt. Auf über 45.000 qm präsentierten sich über 30 Film- und Fernsehstars, die Comic-Zone bot 380 Zeichner aus aller Welt und allen Bekanntheitsgraden, 200 Aussteller boten teilweise Con-exklusive Ware feil, unzählige Cosplayer bevölkerten mit kreativen Kostümen das schöne Areal und die zahlreichen Bühnenshows und Aktionen stopften das Programm auf mehreren Ebenen und Hallen voll. Die Mühen des Teams wurden mit einer ausverkauften Veranstaltung belohnt und als am Sonntagnachmittag die Zelte abgebrochen wurden stand bereits fest, dass am 1. und 2. Juli 2017 die zweite Runde im Herzen des Maultaschen- und Bretzel-Frühstück-Landes eingeläutet wird.

Wo es Licht gibt, da findet sich natürlich auch Schatten. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung im Con-Event-Sektor musste Veranstalter Dirk Bartholomä (Schöpfer der FedCon) auch bei diesem Event einige Absagen von beliebten Stars vermelden, darunter eine Hauptdarstellerin aus „Agents of S.H.I.E.L.D.“ und gleich mehrere Stars aus der Batman-Serie „Gotham“, weil die Arbeit an der neuen Staffel vorgezogen wurde. Das ist schade aber einfach Pech.

Mit dem kurzfristig angekündigten Manu Bennett („Spartacus“, „Arrow“) fand „Spartacus“-Hauptdarsteller Liam McIntyre dann noch einen gern gesehenen Kampfgenossen auf der Bühne und die Comic Con einen Gast zu letzter Minute. Der Fan-Liebling Nathan Fillion („Firefly“/ „Serenity“ und Castle aus „Castle“) konnte wiederum nur am Sonntag vor Ort sein, doch man machte das Beste daraus.

 

© Dominik Starck, Entertainment Blog
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Die Stars auf der Messe Stuttgart, einem tollen Gelände für das Event, bei dem man für das kommende Jahr direkt mehr Platz reserviert hat, machten alle einen guten Job und nahmen sich im Rahmen der Möglichkeiten Zeit für die Besucher aus nah und fern. Gut gelaunt lieferten sie auf zwei verschiedenen Bühnen Shows, stellten sich den Fragen der Fans und stand ansonsten für Fotoshootings und Autogramme zur Verfügung.

Für Samstag war ein Screening der neuen FOX-Serie „Outcast“ angesetzt, das letztlich zwar leider auf ein paar wenige Clips beschränkt blieb, aber immerhin gab sich Hauptdarsteller Philip Glenister („Life on Mars“) die Ehre und lies sich nach dem Panel kostenfrei mit Fans fotografieren. Auch der Stand von FOX im Hauptsaal hatte „Outcast“ zum Thema und kreierte Foto-Andenken für die Besucher. Auf der Foyer-Bühne wurde neben den Panels und zahlreichen Trailern auch der actionreiche deutsche „Star Wars“-Fanfilm „Darth Maul: Apprentice“ von Shawn Bu aufgeführt, der im Frühjahr weltweit für Furore sorgte.

 

© Dominik Starck, Entertainment Blog
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All die zahlreichen Panels und Stars an dieser Stelle aufzulisten würde jeden Rahmen sprengen, aber das „Spartacus“-Panel war kurzweilig, das zu „Agents of S.H.I.E.L.D.“ überraschend witzig. Die beiden Alt-Klingonen und Con-Profis J. G. Hertzler und Robert O’Reilly („Star Trek“) alberten sich zum Vergnügen der Fans mit Gesangseinlagen und französischen Akzenten durch die Bühnenzeit, Adrian Paul beantwortete Fragen rund um seine Zeit als „Highlander“ und lud Fans zu einem Wettstreit auf die Bühne, wer die beste „Erneuerung“ nach der fingierten Enthauptung eines Unsterblichen darbietet. Nach einigen verhaltenen Beiträgen folgten erstaunliche, orgastische Performances, die von donnerndem Applaus der Zuschauer begleitet wurden. Für die Highlander-Improvisation gab es dann auch ein Gratis-Autogramm von Adrian Paul.

Moderiert vom James Bond-Club schwelgten die Bond-Girls Caroline Munroe („Dracula jagt Mini-Mädchen“, „Captain Kronos – Vampirjäger“, „Der Spion, der mich liebte“) und Corinne Cléry („Moonraker“) in Erinnerungen an „ihren Bond“ Roger Moore und natürlich war auch Candice Patton (Iris West von „The Flash“) stark frequentiert. Auch die Sci-Fi-Serie „The 100“ war mit gleich mehreren Darstellern vertreten.

 

© Dominik Starck, Entertainment Blog
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Wann immer möglich (d.h. v.a. in Abhängigkeit anderer wartender Fans) freute sich auch jeder der Stargäste über einen netten Austausch mit ihren Fans an den jeweiligen Autogrammtischen, sodass man hier und dort immer wieder mal die Gelegenheit für einen kurzen Plausch bekam.

An dieser Stelle muss man den „Elefanten im Raum“ einmal ansprechen (und nein, damit ist kein Cosplayer gemeint sondern die engl. Metapher): der schnöde Mammon. Im Gegensatz zu Veranstaltungen wie zum Beispiel der FedCon lockte die Comic Con Germany mit günstigem Eintritt und abseits aller anderen Angebote konnte man damit im Foyer direkt auf einer Bühne den dort auftretenden Stars lauschen. Allerdings: wer die angesagten Hochkaräter wie Nathan Fillion und das „Castle“-Panel (begleitet von seinen Co-Stars Jon Huertas und Seamus Dever), das „Agents of S.H.I.E.L.D.“-Panel mit Brett Dalton und Marc Dacascos („The Crow“, „Pakt der Wölfe“, „Hawaii Five-O“) oder das „Spartacus“-Panel sehen wollte, der musste für die Hauptbühne extra in die Tasche greifen. Bei Autogrammen und Fotos ist das separate Bezahlen Usus, für Bühnenshows ist dies hierzulande eine Neuerung, die nicht jedem mundete (trotz moderater Preisgestaltung).

 

© Dominik Starck, Entertainment Blog
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Am Samstag war zudem der Zugang zu den Autogramm-Tischen der Stars abgesperrt. Zutritt gab es nur mit Foto-Ticket, sodass man als Besucher ohne nötiges Kleingeld den Star nicht einmal an seinem Tisch sitzen sehen konnte. Diesem Zustand wurde aber bereits am Sonntag Abhilfe verschafft und der freie Durchgang für alle Besucher ermöglicht.

Die Methodik der Preisgestaltung bleibt insofern ärgerlich, wenn man möglichst viel von den Stars sehen und mit ihnen Kontakt haben möchte, weil sich dann die u. U. zahlreichen Einzeltickets schnell aufaddieren. Auf der anderen Seite: legt man eher Wert auf das Cosplay, die Messe, Aussteller und die Comic-Kultur an sich, welche sich ja bereits im Namen der Veranstaltung spiegelt, dann kann man kostengünstig einen fast magischen Tag im Kreise Gleichgesinnter erleben.

 

© Dominik Starck, Entertainment Blog
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FAZIT: Welches Fazit zieht man nun unter die erste Comic Con der Sci-Fi- und Fantasy-Convention-Profis? Für Schauspieler-Absagen wegen anderweitiger Verpflichtungen kann kein Veranstalter etwas, dagegen ist auch kein Kraut gewachsen, obwohl die Diskussion bei jeder Con wieder aufgemacht wird. Organisatorischen Kinderkrankheiten des ersten Veranstaltungstages wirkte man bereits am zweiten Tag entgegen und so bleibt das Preissystem das einzige potentielle Manko für Besucher. Wie man darüber denkt und was man daraus macht mag jeder für sich selbst entscheiden und ist auch eine Frage der persönlichen Interessen. Unstrittig ist in jedem Fall, dass die Comic Con Germany 2016 in Stuttgart sehr viel aufgefahren hat, um sich als größte Comic Con Deutschlands zu etablieren.

Es wird spannend zu sehen, was man im Juli 2017 aus dem Potential macht. Wenn sich der Exklusivität- und Trendsetter-Charakter der amerikanischen Vorbilder auch in Deutschland noch etwas stärker herausarbeiten lässt (sei es mit exklusiven Previews der Genre-Sender, Werbe-Aktionen wie den gesponserten Gast aus „Outcast“, brandneuen Trailern, Gästen aus der deutschen Genre-Landschaft etc.), dann ist man in Stuttgart auf dem richtigen Weg.

P.S.: Gerne hätten wir an dieser Stelle auch gerne Interviews mit den anwesenden Gästen präsentiert, dies war jedoch nicht möglich, da Interviews seitens der Veranstalter ausgeschlossen wurden.

 

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